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Photo by: BET Network

Er ist einer der coolsten, aber auch schrägsten Stars in Hollywood: Samuel L. Jackson. Kaum ein anderer Schauspieler kann auf eine derart breitgefächerte Rollenauswahl zurückblicken. Seit 40 Jahren steht Jackson vor der Kamera, hat in rund 160 Filmen schon so gut wie alles gespielt. Vom gottesfürchtigen Profikiller in “Pulp Fiction” über den besonnenen Jedi-Ritter in der “Star Wars”-Triologie bis zum knallharten Cop in “Shaft – noch Fragen”. Man kann sich nie ganz sicher sein, in welcher Rolle man dem 66-Jährigen als nächstes auf der Leinwand begegnet. Doch eines ist sicher: Jackson überzeugt. Mit seinem Talent, mit seiner Einzigartigkeit, aber vor allem mit seinem Mut zum Ungewöhnlichen.

„Wenn man mich für einen Film anheuert, passiert das aus einem bestimmten Grund: Weil man will, dass ich viel schreie, weil ich ein cooler Typ bin oder weil man mir erlauben will, so verschroben und kreativ zu sein, wie ich kann“, sagt Jackson im Interview mit neuH-Reporterin Jenni Doemkes. Oder alles zusammen – wie in seinem neuen Film “Kingsman – The Secret Service”. In Matthew Vaughns Action-Spektakel geht es um eine geheime Organisation, die junge Menschen zu Spezial-Agenten ausbildet, um die Welt zu retten. Und jeder Superheld braucht natürlich einen Gegenspieler, einen Bösewicht, der genau das zu verhindern versucht. In diesem Fall: Samuel L. Jackson, oder besser gesagt ‘Richmond Valentine’, ein Multimilliardär, der mit Hilfe eines perfiden Plans die Weltherrschaft an sich reißen will. Eine Rolle, mit der sich Jackson einen kleinen Traum erfüllte: „Ich wollte schon als Kind immer der Bösewicht in den Bond-Filmen sein. Da ich wohl niemals in einem 007-Streifen zu sehen sein werde, dachte ich mir, das ist die beste Möglichkeit, einen super Fiesling abzugeben.” Und eine Möglichkeit, seiner besagten “verschrobenen Kreativität” mal wieder freien Lauf zu lassen, denn seinen Charakter Valentine schuf der 66-Jährige ganz nach eigenen Vorstellungen. „Ich bin ein großer Fan von Comics, Anime und Manga. Ich kannte die Hefte, auf denen der Film basiert. Doch ich wollte dem Ganzen einen speziellen Look geben“, so der Schauspieler.

Neben schrillen Klamotten und auffälligen Accessoires, griff er dafür auf ein ganz persönliches „Merkmal“ zurück: Er verpasste Valentine einen Sprachfehler. Etwas, mit dem der Hollywood-Star selbst sein ganzes Leben lang zu kämpfen hatte. “Als Kind habe ich schlimm gestottert, war total gehemmt. Ich war klüger als die meisten meiner Mitschüler, aber wenn ich sprechen wollte, ging es nicht und sie lachten mich aus”, so Jackson gegenüber neuH. Er aber ließ sich davon nicht unterkriegen, im Gegenteil: “Wenn mich die anderen Kinder in der Klasse auslachten, wurde ich cleverer als sie, damit ich ihr Leben versauen konnte. Wenn man mich verprügelt hat, kam es zu einem ‘Unfall‘. Vielleicht nicht am selben Tag oder im selben Jahr, aber irgendwann. Die Leute unterschätzen dich aufgrund dieses Makels, werten dich ab. Menschen mit Sprachfehlern haben es schwerer im Leben und gewinnen dadurch automatisch an Stärke.” Genau diese Stärke wollte er dem machthungrigen Multimillionär verleihen. Davon musste er Regisseur Matthew Vaughn allerdings erst einmal überzeugen. “Er konnte sich einen lispelnden Bösewicht nicht vorstellen, also sagte ich ihm ‘Einer der bösesten Menschen auf unserem Planeten lispelt: Mike Tyson’”, lacht der Superstar in unserem Interview. Damit, und mit einer Kostprobe konnte er Vaughn schließlich für die Idee begeistern. Und die Rolle hat Jackson riesigen Spaß gemacht. “Jeder Mensch braucht einen guten Grund, um gemein zu sein. Auf der Leinwand liebe ich es, den Fiesling zu spielen, aber privat bin ich ein angenehmer Zeitgenosse.“

Samuel L Jackson in Kingsmen

Photo by: Twentieth Century Fox

Der 66-Jährige ist für seine Bodenständigkeit bekannt, für seinen Erfolg ist er auch nach 40 Jahren im Show-Business noch täglich dankbar. „Ich bin in Chattanooga als armes Kind in der Ära der Rassentrennung aufgewachsen – wer hätte geahnt, dass so etwas passiert? Ich dachte, aus mir wird nichts. Kein Doktor, kein Jurist, nichts. Ich weiß immer noch, was es heißt, hungrig zu sein. Und ich lebe durchaus einen moderaten, konservativen Lebensstil. Natürlich habe ich ein größeres Haus und einen größeren Wagen, aber ich spare weitaus mehr, als ich ausgebe. Ich mache viele Dinge, die ich früher schon gemacht habe. Ich habe zum Beispiel immer noch meine Monatskarte für die New Yorker U-Bahn in der Tasche. Und ich laufe immer noch ohne Bodyguards herum.“ Diese gesunde Einstellung zu seinem Ruhm hat Jackson vor allem den Frauen in seinem Leben zu verdanken, wie er gerne betont: “Ich wurde von Frauen geprägt. Von meiner Oma, meiner Tante, meiner Mama, meiner Ehefrau, meiner Tochter. Meine Mutter und Großmutter arbeiteten im Haus anderer Leute und zogen deren Kinder groß. Sie inspirierten mich, jeden Tag aufzustehen und an mir zu arbeiten.”

Arbeit scheut der Schauspieler bis heute nicht. Seine Charaktere sind weit mehr als Rollenbeschreibungen in einem Drehbuch. Er verleiht ihnen stets diese Einzigartigkeit, für die er in Hollywood hoch geschätzt wird. Und die ihn mit 66 Jahren so gefragt macht, wie nie. Allein 2015 kommen fünf neue Filme mit Samuel L. Jackson ins Kino. Ab dem 12. März ist er aber erstmal als schräger Bösewicht in „Kingsman – The Secret Service“ zu sehen.