Liam Neeson erlebt mit seinen 62 Jahren in Hollywood derzeit so was wie seinen zweiten Karrierefrühling – und zwar als Actionstar! Von wegen altes Eisen: der gebürtige Ire wird konstant gebucht für die harten Rollen in Filmen wie „Taken“, „The Grey“, „Wrath of the Titans“, „Non-Stop“ oder seinem neuen Streifen „Ruhet in Frieden – A Walk Amoung The Tombstones.“ Erklären kann sich Neeson seinen Status als Actionstar selbst nicht richtig:

„Ich weiß selbst nicht, wie ich plötzlich in dieses Fahrwasser geraten bin. Immer wenn Christian Bale oder Bradley Cooper absagen, rufen sie bei mir an (lacht.) Ich stelle mich gerne diesen Herausforderungen.“

Physisch hat Neeson jedenfalls keine Probleme, sich den teils hohen körperlichen Anforderungen einer Actionrolle zu stellen. Er war immerhin mal Hobby-Boxer:

„ Jeder Junge in Irland will irgendwann mal Boxer werden. Ich habe diesen Traum begraben, nachdem mir ein Gegner im Training die Nase gebrochen hat. Ich halte mich fit, indem ich den Morgen immer mit einer eiskalten Dusche beginne – mindestens fünf Minuten lang. Das kurbelt selbst den müdesten Kreislauf an. Und ich gehe ein oder zweimal pro Woche ins Fitnessstudio und mache ein bisschen Schattenboxen.“

Liam Neeson lebt seit Mitte der 80er-Jahre in den USA und hat mittlerweile auch die amerikanische Staatsbürgerschaft angenommen. Doch an seine Wurzeln und die Kindheit in Irland erinnert sich er sich gerne, auch wenn es nicht immer ganz einfach war:

„Irland ist teils ein ziemlich raues Pflaster – aber auch ein sehr liebenswertes Stückchen Erde. Ich wuchs in Nordirland auf und habe schon als Kind Gewalt gesehen und die Feindseeligkeiten erlebt zwischen den Anhängern verschiedener Religionen. Das hat meine Einstellung zum Glauben im Laufe der Jahre beeinflusst. Ich wurde katholisch erzogen, heute würde ich mich mehr als spiritueller Freigeist bezeichnen. Was zum Erwachsenwerden in Irland dazu gehört ist natürlich unser Guinness-Bier. Als ich meinen ersten richtigen Rausch hatte nach einer mächtigen Guinness-Zeche, sagte mein Vater am nächsten Tag zu mir: „Bleib beim Bier und lass die Finger von den harten Sachen.“ Diesen Ratschlag befolge ich bis heute. Ich trinke nur Bier und Wein. Nicht mal Whiskey, eigentlich eine irische Spezialität, rühre ich an. Ich hoffe, diese Tradition kann ich auch meinen Söhnen weitergeben (lacht.)“

Als echter Ire ist Neeson natürlich auch Fan der irischen Band U2:

„Ich habe die Band schon mehrfach live erlebt. Diese Jungs verkörpern Irland mit Leib und Seele. Musikalisch wie menschlich. Haben Sie schon mal etwas Skandalöses über einen der Mitglieder von U2 gehört? Und das nach zig Jahrzehnten in diesem Geschäft. Irische Noblesse. Ich bin auch persönlich mit Sänger Bono befreundet, ein außergewöhnlicher Mensch.“

Eine Rückkehr in sein Heimatland ist für Neeson trotz aller Liebe nicht denkbar. Er fühlt sich wohl in New York, seiner Wahlheimat, wo er mit seinen beiden Söhnen als alleinerziehender Vater lebt:

„Ich glaube nicht, dass ich nach Irland zurückkehren werde. Die Wirtschaft ist noch immer am Boden, in Belfast geht es zwar aufwärts, aber im ganzen Land gibt es regelrechte Geisterstädte, weil die Leute wegziehen müssen. Ich fühle mich mittlerweile sehr heimisch in Amerika und habe auch die amerikanische Staatsbürgerschaft angenommen. Es gibt zwar vieles, was mich politisch und moralisch stört, aber ich fühle mich schon wohl.“

Im Speziellen kritisiert Neeson die laschen Waffengesetze in den USA:

„Das Thema Waffenkontrolle interessiert mich sehr. Auf jeden der rund 300 Millionen Einwohner der USA kommt eine Waffe, das ist Wahnsinn. Jede Woche hört man in den Nachrichten, dass irgendwo ein Irrer ein Massaker angerichtet hat in einer Schule, einem Kino oder einer Einkaufspassage. Aber die Amis pochen weiterhin auf ihr in der Verfassung festgeschriebenes Recht eine Waffe besitzen zu können. In Europa ist man da in vielen Ländern wie England einen großen Schritt weiter. Aber ich will auch nicht den Moralapostel geben, in einer Demokratie sollen die Menschen entscheiden können, wie sie leben wollen.“

Vor knapp fünf Jahren verunglückte Neesons Frau Natasha Richardson bei einem Skiunfall. Die beiden hatten sich 1993 bei einem Theaterengagement am Broadway in New York kennen gelernt. Den Tod hat er nie richtig verwunden, er stürzte sich fortan verstärkt in die Arbeit, um Ablenkung zu finden. Mit seiner toten Frau verbindet Neeson noch immer eine starke spirituelle Bindung, wie er sagt:

Liam-Neeson-Plakat-web„Ich sitze gerne an ihrem Grabstein und dann rede ich mit ihr. Mir gibt das etwas. Ich mag Friedhöfe, auf seltsame Weise sind das schöne Orte der Ruhe. Ich spaziere gerne zwischen den Grabsteinen herum, lese die Namen der Verstorbenen und denke darüber nach, was sie wohl für ein Leben gehabt haben. Das ist einfach faszinierend.“

Seitdem er sich allein um die Erziehung der beiden Teenager-Söhne kümmern muss, hat Neeson seinen Lebensstil komplett umgekrempelt:

„Ich trinke mittlerweile gar keinen Alkohol mehr. Selbst das gelegentliche Glas Rotwein habe ich mir abgewöhnt. Ich habe gemerkt, dass es auch ohne ganz gut geht. Ich achte mehr darauf, was ich esse und mache viel Sport. Ich möchte so gesund wie möglich leben, damit ich meine Enkelkinder noch erlebe.“

Der Film „Ruhet in Frieden: A Walk Among the Tombstones“ ist ab dem 13. November in Kino zu sehen.

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