Es riecht irgendwie seltsam rund um Damon Salvatores Haus in Mystic Falls. Ein leicht muffiger Duft liegt über jenem Städtchen, das von Vampiren und anderen Kreaturen tyrannisiert wird. Der Grund wird schnell klar: Mystic Falls befindet sich in Wahrheit in einer riesigen ehemaligen Lagerhalle in dem kleinen Ort Decatur, gut 25 Autominuten von Atlanta im US-Bundesstaat Georgia entfernt. Hier, wo früher Tierfutter eingelagert wurde, stehen heute die Kulissen der Erfolgsserie „Vampire Diaries.“ newH durfte sich  am Set umsehen und erfuhr von den Stars der Serie aus erster Hand, was wirklich abgeht bei den Dreharbeiten.

Es wird wieder ein heißer Tag in Decatur, einem unscheinbaren Südstaaten-Vorort der Millionenmetropole Atlanta, Schauplatz der Olympischen Spiele 1996. Die Luftfeuchtigkeit liegt hier bei durchschnittlich 80 Prozent. Vor dem Eingang parkt ein schwarzer Audi A 8 – der gehört Ian Somerhalder, der in der Serie den fiesen Vampir Damon spielt. Ian ist einer der ersten am Set an diesem Morgen. Der Zeitplan ist straff, fünf Szenen müssen heute im Kasten sein, wenn der Drehtag nach 13 Stunden zu Ende geht. Was schnell klar wird: Ian ist so was wie der heimliche Boss am Set von „Vampire Diaries.“ Was er sagt, hat Gewicht. Für den Vegetarier wurde etwa eigens Kunstblut ohne Zucker angeschafft. Insgesamt sechs verschiedene Sorten Kunstblut kommen übrigens in der Vampir-Serie zum Einsatz, basierend auf Sirup und Wasser. Freizeit-Aktivist Somerhalder hat zudem durchgesetzt, dass am Set der Umweltschutz eine größere Rolle einnimmt. Statt Wegwerfgeschirr gibt es bei der Essensausgabe (meist Hühnchen, Fisch, viel Gemüse und Salat) nun abwaschbare Teller. Und überall stehen Recycling-Behälter, um Pappe und Plastik getrennt zu sammeln. „Ich habe eine eigene Organisation gegründet, die sich dem Umweltschutz widmet. Damit will ich speziell Teenager und junge Menschen inspirieren, sich ebenfalls mehr für den Erhalt unserer Natur einzusetzen,“ erklärt Ian. Wie in der Serie auch, gibt Ian definitiv den Ton an bei „Vampire Diaries.“ Er ist zudem der Spitzenverdiener unter den Darstellern – rund 40.000 Dollar streicht Ian pro Episode ein.

Mitten in einem Industriegebiet stehen die optisch unscheinbar wirkenden Lagerhallen, die von der Produktionsfirma Warner Brothers eigens für „Vampire Diaries“  angemietet wurden. Warum man denn ausgerechnet diesen Gottverlassenen Ort für die Dreharbeiten der Serie gewählt habe, möchte ich von den Produzenten wissen. Die Antwort ist einleuchtend: „Hier im Bundesstaat Georgia gewährt man uns große Steuervergünstigungen,“ erklärt Kevin Williamson, der die Serie basierend auf den Romanen von L.J Smith entwickelt hat. „Anfangs hatten wir lediglich zwei Hallen zur Verfügung. Nachdem die Serie aber so erfolgreich wurde, haben wir mit Beginn der zweiten Staffel auch noch die restlichen drei Hallen dazu gemietet,“ erklärt Produktionsleiter Chris. Man merkt beim Rundgang durch die Hallen sofort, dass bei „Vampire Diaries“ nicht gekleckert, sondern geklotzt wird. Rund 200 Mitarbeiter wuseln in und hinter den Kulissen umher. Das Set ist sehr aufwendig gestaltet, viele der Kulissen sind sogar nach oben abgeschlossen – was aus Kostengründen an anderen Sets oft nicht üblich ist. Und auch beim Setdesign lässt man sich bei „Vampire Diaries“ nicht lumpen. Garreth Stover heißt der Mann, der die fiktiven Häuser, Wälder, Höhlen und das Restaurant „Mystic Grill“ aus Holz, Styropor und Plastik in den einstigen Lagerhallen errichtete. Stover greift tief in die Hollywood-Trickkiste, damit am Ende auf dem Bildschirm alles möglichst realistisch wirkt.

Autor Andreas Renner am Set von "Vampire Diaries"

Autor Andreas Renner am Set von „Vampire Diaries“

Ganze Straßenzüge ließ der Set-Designer als Hintergründe auf überdimensionale Plastikvorhänge drucken und erzeugt damit den Eindruck, die Holzkulissen stünden wirklich in einem Ort namens Mystic Falls. Bäume aus Kunststoff werden kurzerhand auf Rollen montiert und können so jederzeit bei anderen Kulissen eingesetzt werden. Die Höhlen, in denen Werwölfe und Vampire ihr Unwesen treiben, sind tatsächlich nur aufeinander gestapelte Styropor-Klötze, die innen mit Farbe besprüht und mit Unkraut aus Plastik ausgelegt werden. Die Häuser von Damon oder Elena (gespielt von Nina Dobrev) sind original Nachbauten von echten alten Villen, die in dem 30 Meilen entfernten Ort Covington stehen, das für die Außenaufnahmen als Double für Mystic Falls herhalten muss. Gigantische grüne Leinwände (Green Screens) neben den Kulissen ermöglichen es den Technikern, Spezialeffekte nachträglich am Computer zu ergänzen. „Das Set ist für uns wie ein riesiger, spannender Abenteuerspielplatz,“ sagt Paul Wesley alias Stefan Salvatore. Steven R. McQueen, der Jeremy Gilbert in der Serie, verrät: „In den Pausen schleichen wir uns manchmal in die Halle ein, in der die Kulissen des „Mystic Grill“ stehen und spielen eine Runde Billard oder Tischfussball.“

Die Crew von „Vampire Diaries“ versteht sich blendend, denn eines verbindet sie allesamt: „Wir sind aus allen Teilen Amerikas nach Atlanta gezogen eigens für die Serie. Da wir sonst niemanden hier kennen, verbringen wir auch in der wenigen Freizeit an den Wochenenden viel Zeit zusammen,“ erklärt Ian Somerhalder. Die meisten der Schauspieler wohnen nicht weit voneinander entfernt, Katerina Graham und Nina Dobrev haben sich sogar mal eine Bude geteilt. Kein Wunder also, dass es zwischen den Darstellern vereinzelt auch romantisch knistern soll. Einmal pro Woche treffen sich alle zum gemeinsamen Dinner beim Edelitaliener „Ecco“ in Downtown Atlanta – „das ist mittlerweile schon eine Tradition geworden,“ verrät Paul Wesley. Sollte der Erfolg der Serie auch in Zukunft anhalten, werden sich Ian, Paul, Nina und Co. auch in den nächsten Jahren darauf einstellen müssen, Atlanta ihre Heimat zu nennen.

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