Keine Generation vor uns wollte eines so sehr wie wir: Auffallen! Und nie zuvor war es so einfach. Zu Zeiten von Facebook, Instagram und Co. stellen wir uns täglich der Begutachtung und Bewertung anderer. Das „Selfie“ ist ein wahres Phänomen geworden, Leistung und Erfolg werden scheinbar daran gemessen, wie viele „Likes“ oder „Follower“ man hat. Reality-Sternchen Kim Kardashian ist ohne Zweifel die „Queen of Selfies“. Tagtäglich postet sie etliche Schnappschüsse ihrer selbst auf sämtlichen Social Media Kanälen. Und wenn man eh schon sein gesamtes Privatleben vor TV-Kameras preis gibt, warum dann nicht auch aus den Selbstporträts noch Profit schlagen. Die Kardashians sind halt gewiefte Geschäftsleute. Am 5. Mai brachte Kim deshalb einen Sammelband ihrer schönsten Aufnahmen von sich selbst der letzten neun Jahre heraus. 352 Mal Kim K. in jeder erdenklichen Pose. Und der Titel könnte nicht treffender sein: „Selfish“ – egoistisch, selbstsüchtig, eigennützig.

Doch es gibt tatsächlich auch noch Menschen, die uneigennützige Dinge tun, anderen helfen, tagtäglich und das ganz ohne sich damit in der Öffentlichkeit zu profilieren. DIESEN Menschen sollte man einen Fotoband widmen, dachte sich Paul D. Parkinson, Leiter einer amerikanischen Medien-Agentur. Er startete mit seinem Buch „Unselfish“ eine Gegeninitiative. Das Buch  zeigt „99 inspirierende Geschichten von Menschen, die andere und nicht sich selbst an erste Stelle setzen“.

Wie Scott Neeson, Hollywood-Produzent mit schicker Villa, Porsche, Yacht und Millionen-Gehalt. Er hatte alles, was er sich jemals erträumt hatte – bis er 2003 nach Kambodscha reiste. Dort sah er hunderte Familien, die auf Müllkippen hausten, verzweifelt versuchten, Dinge zu verkaufen, die andere weggeworfen hatten. Die meisten von ihnen hatten nicht einmal Schuhe. Zurück in Los Angeles, in seinem Luxus-Büro, merkte Scott schnell, dass er nicht mehr mit Herzblut bei der Sache war. Er wusste, dass sich etwas verändern musste – und wagte das Unglaubliche. Nach 26 Jahren im Film-Business kündigte er seinen Job und zog nach Kambodscha, wo er eine eigene Hilfs-Organisation gründete und bis heute leitet.

Neesons „Cambodian Children’s Fond“ kümmert sich mittlerweile um rund 20.000 Menschen aus ärmsten Verhältnissen, ermöglicht Kindern eine Schulbildung und damit eine gesicherte Zukunft für ihre Familien. „Jedes Kind hat diese Chance verdient. 70 unserer ersten Schüler studieren mittlerweile und ihre Familien und Nachbarn, sie alle sind Teil dieser Reise“, erzählt Scott stolz. „Ich glaube daran, dass jeder einzelne von uns die Macht hat, etwas zu verändern. Ob im positiven oder negativen Sinne, wir entscheiden, welches Vermächtnis wir hinterlassen!“ Er selbst würde es immer wieder genauso machen, denn er ist überzeugt davon, seine Bestimmung gefunden zu haben.

Scott Neeson ist nur einer der 99 Menschen in Parkinsons Buch, nur eine der inspirierenden Geschichten, die das Leben schreibt. Und nicht jeder muss, wie er, Geld haben, um anderen zu helfen. Auch kleine Gesten können Großes bewirken. Da gibt es Zack, der seit seiner Grundschulzeit einen Limonaden-Stand betreibt, um mit den Einnahmen gebrauchte Rollstühle für Bedürftige zu finanzieren. In den letzten fünf Jahren konnte dieser kleine Junge rund 50.000 US-Dollar einnehmen und damit 300 Menschen mit einem Rollstuhl helfen. „Für mich fühlt es sich toll an, zu geben. Mit jedem Glas Limonade, das ich verkaufe, weiß ich, dass ich einen Schritt näher an einen Rollstuhl komme, der das Leben eines anderen Menschen besser macht“, so der heute 11-Jährige.

Oder Veronika, die als Modedesign-Studentin das Non-Profit-Unternehmen „The Empowerment Plan“ gründete und ausschließlich obdachlose Frauen und Männer beschäftigt, um ihnen eine Chance zu geben, zurück ins Leben zu finden. Jede Seite des Buches ist eine Hommage an diese selbstlosen Menschen, die die Welt jeden Tag etwas besser machen – ohne sich dabei in den Fokus der Öffentlichkeit zu drängen. Sie suchen diese Art von Aufmerksamkeit nicht, weil sie sie schlichtweg nicht brauchen. Sie sind erfüllt von dem, was sie geben. Daran sollte sich Kim Kardashian vielleicht mal ein Beispiel nehmen.

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