Shepard Fairey und L.A. – eine besondere Verbindung

Shepard Fairey ist Streetartist in Los Angeles und vermittelt eine klare Botschaft: Stehe hinter deinen Idealen. Er gehört zu den Artisten, die durch ihre Kunst polarisieren und Massen in Bewegung setzen. Die größte Aufmerksamkeit erlangte der Künstler mit seinem “Hope”-Poster im Jahr 2009: Es zeigt den heutigen U.S.-Präsidenten Barack Obama. Weltweit hielt man das Poster für das offizielle Wahlplakat der Kampagne, doch das war es gar nicht – Fairey entwarf es aus ganz anderen Motiven! „Ich habe das Obama Poster als Teil meiner Arbeit in der Kunst entworfen – auf dieselbe Art und Weise wie ich auch Poster von George W. Bush oder dem Krieg im Irak gemacht habe. Ich sah Obama als jemanden, der seine Ideen verwirklichen wollte und der das Potential dazu hatte, das politische System von innen heraus zu beeinflussen und zu verbessern. Ich wollte ihn also unterstützen und machte das Poster, dass ich zum kostenlosen Download angeboten oder verteilt habe. Ich habe das Poster aber nicht in Kooperation mit der Obama Kampagne entworfen. Es war mein ganz eigenes Projekt und es fand großen Anklang. Es wurde zu einem Phänomen, das Ausmaße annahm, die ich niemals erwartet hätte. Ich bin stolz darauf, wie wir mit Basis-Aktivismus Einfluss auf die Demokratie hatten.“

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Kein Obama-Fan mehr

Nach fast zwei  Amtszeiten von Präsident Obama im Weißen Haus hat Fairey mittlerweile eine etwas andere Ansicht:  „Ich habe heute gemischte Gefühle darüber, wie Obama als Präsident agiert. Trotzdem glaube ich, dass diese Aktion die Leute inspiriert hat, dass wenn man einen Standpunkt hat, noch mehr dafür tun kann ihn zu stützen.  Man kann auch mit Kunst den Dialog vorantreiben.“ Bereits bevor er mit seinem Obama Poster die Amerikaner motivierte, politisch aktiv zu werden, fiel seine aussagekräftige Kunst den Menschen ins Auge und sorgte für Veränderung: er steckt beispielsweise hinter der Sticker Kampagne „Obey Giant“.

Nach Obama kam Obey

Der Sticker klebt längst an jedem zweiten Laternenmast in Großstädten auf der ganzen Welt. Die unscheinbare Grafik veränderte seit 1989 die urbane Umwelt entscheidend und damit die Art und Weise wie Leute Kunst wahrnehmen – besonders auf der Straße als Streetart. Darüber hinaus vermittelt das Symbol eine klare Botschaft: Obey heißt übersetzt „gehorche“ und ist eine eher  ironisch gemeinte Aussage. „Niemand will von irgend jemandem oder irgend etwas abhängig sein, noch gehorchen müssen – eine Urangst des Menschen ist es, nicht frei sein zu können“, sagt Fairey. Obey-webDer Sticker mit dem OBEY Giant hält den Menschen in diesem Sinne einen Spiegel vor das Gesicht und will als Botschaft vermitteln: „Man soll sich über seine eigenen Ansichten klar werden und sein Meinungsbild mit aller Macht vertreten.“ Das Obey-Icon wurde zu Shepard Faires Signatur-Stück. Über die Jahre lernte der Amerikaner seine Botschaft noch über weitere Kommunikations-Kanäle zu verbreiten: er schaffte riesige Wandbilder in Städten auf der ganzen Welt, druckte seine Botschaft auf T-Shirts (OBEY Clothing) oder kreierte Album-Cover auf denen er seine Message verbreitete, in Kooperation mit berühmten Rock- und Hip-Hop-Bands.

Kunst und Kommerz

“Ich nutze verschiede Wege meine Arbeit zu verbreiten und jede davon ist wertvoll. Ich denke es ist von Bedeutung zu erkennen, wie ein Design funktioniert, ob als Wandbild auf der Straße, auf einem T-Shirt, einem kleinen Sticker oder als Albumcover. “ Mittlerweile ist auch Fairey etwas mehr dem Konsum zugeneigt. Jüngst  kreierte er das Design für eine Special Edition-Flasche der Cognac-Marke Hennessy. In Anlehnung an diese Kooperation, entwarf der Streetartist zusätzlich ein riesiges Wandbild an einem Hotel in Los Angeles. Am liebsten zeigt Shepard Fairey nämlich seine Kunst durch die so genannten Murals auf der Straße und vermittelt so seine Botschaften. „Ich habe eine besondere Liebe zu Werken, die im Freien zu finden sind, weil sie  den Menschen so einen Weg zur Kunst öffnen, sie sich so besser erleben lassen.“

Photo by: Rainer Hosch

Photo by: Rainer Hosch

Los Angeles als kreative Spielwiese

Auf vielen Häuserwänden in Los Angeles hat sich der Streetartist bereits ausgetobt und die urbane Umwelt in der US-Großstadt verschönert. Die meisten der Wandbilder entstanden in Kooperationen und mit Einwilligung der Stadt. Trotzdem lebt Fairey seine Kunst gelegentlich auch gerne mal illegal aus und malt ohne Absprache auf Häuserwände. Die Konsequenz: schon 16 mal wurder er dabei erwischt und verhaftet. Zu diesem Thema hat Shepard Fairey aber eine ganz eigene Einstellung: „Ich habe versucht Orte zu finden, an denen ich es gerechtfertigt finde, meine Streetart auszuüben. Verlassene Gebäude, öffentliches Eigentum, dass von Steuerzahlern bezahlt wird, Dinge, die sowieso abgerissen werden, wie zum Beispiel Bauzäune. Ich möchte meine Arbeit integrieren und damit ausdrücken, dass öffentlicher Raum für jeden zugänglich sein sollte, um kreative Kommunkation zu schaffen für Leute, die kein Produkt verkaufen wollen“.

Photo by: Rainer Hosch

Photo by: Rainer Hosch

Latino-Einlfuss

Seit Jahren lebt Fairey mit seiner Familie in Los Angeles. Zwar schafft der Künstler Werke auf der ganzen Welt, doch Streetart in Los Angeles, ist für ihn besonders: „Ich denke, es gibt viel gute Streetart in den verschiedenen Städten –  besonders cool an L.A. ist, dass viele Werke einen lateinamerikanischen Einfluss haben. Das gibt ihnen einen einzigartigen und interessanten Touch.  Einige Städte wissen Streetart  gar nicht zu schätzen und ich bin froh, dass wenigstens einige Gebiete in L.A. Streetart würdigen.

Wie sieht Sheaprad Fairey seine künstlerische Zukunft? „Ich versuche stets bessere und größere Kunstprojekte zu machen. Ob sie durch eine Kooperation entstehen oder einfach aus der Arbeit an einer Sache, an die ich selbst glaube. Ich denke, es ist wichtig immer danach zu streben, sich noch zu verbessern. Dabei sollte man aufgeschlossen sein, gegenüber den neuen Dingen, die die Kultur eröffnet. Die Welt verändert sich stetig und man muss immer ein Weg finden, sich anzupassen.“

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