Wie ist er denn so, der Ryan Gosling? Eine Frage, die man immer wieder hört als Journalist, der den kanadischen Schauspieler schon mehrfach zum Interview traf. Und die Antwort ist jedes Mal aufs Neue eine echte Herausforderung. Es fallen einem spontan so viele Schlagwörter auf einmal ein: Mystisch, lustig, unnahbar, nahbar, sympathisch, schüchtern, aufgeschlossen, tiefsinnig, launisch, herzlich, privat. Um den Menschen Ryan Gosling wirklich umfassend erklären zu wollen, müsste man wahrscheinlich ein Diplom in Tiefenpsychologie haben.

Man kann jedenfalls auch als heterosexueller Mann durchaus nachvollziehen, warum so viele Frauen und Starletts wie Rachel McAdams und Sandra Bullock dem 34-jährigen Kanadier schon verfallen sind. Er strahlt eine eigenartige Mischung aus bubenhaftem Charme und testosteronbepackter Männlichkeit aus. Das schelmische Grinsen, die blauen Augen, Dreitagebart: da ist alles drum und dran, was Damen lieben. Zudem ist der Mann äußerst erfolgreich, war 2007 sogar für einen Oscar nominiert für seine Rolle in „Half Nelson.“ Seit mehr als 20 Jahren ist Gosling bereits im Showgeschäft tätig, tanzte schon als Teenager neben Justin Timberlake und Christina Aguilera im „Mickey Mouse Club“. Und dennoch ist der Mann noch immer ein Mysterium. Und genau so will es Gosling auch haben.

Gosling ist extrem vielschichtig

Hat Ryan Gosling nicht gerade einen neuen Film am Start, wie derzeit sein Regie-Debüt „Lost River“, dann scheint der Schauspieler wie vom Erdboden verschluckt zu sein. Er zieht sich gerne in die Anonymität zurück. Nach New York, seiner Wahlheimat. Oder nach Kanada, seinem Heimatland. „Ich würde mich als komplexe Person bezeichnen. Als männliche Zwiebel – als einen Mann mit vielen Schichten“, sagt er über sich. Und das trifft es auf den Punkt. Gosling ist extrem vielschichtig. Er geht im Central Park in New York spazieren und spricht dabei mit den Eichhörnchen. Eines seiner Hobbys ist Ballett-Tanz. Er spielt in einer Band mit dem schaurigen Namen „Dead Men’s Bones“. Und die Tauglichkeit einer neuen Freundin testete er stets, indem er sie zum ersten Date ins Disneyland führte.

Als Papa in einer neuen Rolle

Eva Mendes, die Frau an seiner Seite, bestand diesen und offenbar auch alle anderen Tests. Sie schaffte, was bislang noch keiner gelang: Mendes legte Gosling an die Kette und machte ihn im September vergangenen Jahres zum stolzen Papa. Tochter Esmeralda stellte das Leben des Eigenbrödlers auf den Kopf. „Das hat alles verändert, die komplette Perspektive des Lebens. Man ist ganz automatisch ein ganz anderer Mensch,“ sagt Gosling über seine neue Rolle als Vater.

Kein Freund der Ehe

Er ist sehr wortkarg wenn es um Privates geht. Sein bislang größter „Skandal“ war die Trennung von Freundin und „Notebook“-Filmpartnerin Rachel McAdams vor einigen Jahren. „Wir leben in einer öffentlichen Welt, ich brauche ein privates Umfeld, das ich nicht mit Jedermann teilen muss.“ Gosling beteuert, dass er trotz aller Verschlossenheit durchaus ein erfülltes Leben hat mit Familie, Freunden und spannenden Hobbys. Gosling ist eigenwillig in allen Lebenslagen, doch keineswegs verschroben. Er hält nicht viel vom Modell der Ehe, „zu viele Ehen gehen in die Brüche, ich will die Bilanz nicht ausbauen.“ Eva Mendes akzeptierte das bislang, Freunde glauben aber, die Latina mit ausgeprägtem Familiensinn wird den einstigen „Womanizer“ auch in dieser Hinsicht noch bekehren.

Bevorzugt Independentfilme

Ryan Gosling ist auch in beruflicher Hinsicht schwer ausrechenbar. In der romantischen Liebesstory „Notebook“ ließ er 2004 Frauenherzen erstmals höher schlagen. Er überzeugte aber auch als jüdisch-stämmiger Neo-Nazi in „The Believer“, als drogenabhängiger Lehrer in „Half Nelson“ oder als frustrierter Ehemann in „Blue Valentine.“ Gosling dreht bevorzugt Independentfilme, obwohl er in großen Hollywood-Produktionen mehr Geld verdienen könnte. „Ich arbeite lieber an Projekten, mit denen ich mich identifizieren kann. Ich verlasse mich auf mein Bauchgefühl.“

Regiedebüt „Lost River“

Und weil er so gerne ein Freigeist ist, wählte er für sein Debüt als Regisseur eine apokalyptische Geschichte namens „Lost River“ anstatt einer romantischen Komödie, mit der er die Kritiker wahrscheinlich leichter überzeugt hätte. „Der Film spielt zwar in einer düsteren Welt, aber er handelt von Hoffnung und Familiensinn“, erklärt Gosling und reagiert damit in einer für ihn typischen gelassenen Art auf die kritischen Stimmen, die sein Erstlingswerk zerrissen. „Ich bin sehr stolz auf diesen Film“, sagt Gosling noch, „was andere darin sehen, kann ich nicht beeinflussen.“ Statt sich über die Kritiker zu ärgern, nutzt Gosling seine Zeit lieber sinnvoll und zeigt Herz und Humor. Dieser Tage punktete er in der Beliebtheitsskala extrem, nachdem er ein sechs Sekunden langes Tribut-Video für einen an Krebs verstorbenen Fan ins Netz stellte, der die Videoserie „Ryan Gosling Won’t Eat His Cereal” kreiert hatte. Ein weiterer Grund, Ryan Gosling zu mögen.

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