Ihr Regisseur-Kollege Darren Aronofsky hat in diesem Jahr mit “Noah” einen großen Film aus Bibelmaterial geschaffen. Nun verpacken Sie die Moses-Geschichte in einen effektgeladenen Blockbuster. Worin liegt der Reiz, biblische Geschichten zu verfilmen?

Ich möchte den Zuschauern nicht das Gefühl geben, dass sie einen Bibellfilm ansehen. Ich möchte, dass sie einen Film sehen, in dem es um zwei Männer geht, die eigentlich sehr nahestehende Brüder sind, aber in einen Wettstreit miteinander geraten. Einer ist Pharao, der andere ist sein Freund und engster Gefährte. Aber die beiden gehen auseinander. Sie müssen sich für ihre Herkunft entscheiden – der eine also will seine Macht erhalten, der andere will sein Volk aus der Sklaverei führen. Ich wollte den Zuschauern einen Zugang zu dieser biblischen Geschichte verschaffen. Man muss aber auch bedenken, dass es den Pharao Ramses II wirklich gegeben hat. Seine sterblichen Überreste kann man heute im Ägyptischen Museum in Kairo bewundern.

Christian Bale war ursprünglich für die Rolle des „Noahs“ vorgesehen, die letztlich Russell Crowe bekam. Nun spielt er den Moses. Wieso ist er für biblische Rollen so geeignet?

Christian Bale wollte eigentlich gar nicht den Moses spielen. Ich wollte ihn aber unbedingt für diese Rolle haben und musste ihn erst davon überzeugen, sie zu übernehmen. Christian hat eine unglaublich starke physische Präsenz, die sehr beeindruckend ist. Er hat richtigen Wumms und ist ein absolut professioneller und überzeugender Schauspieler. Sehen Sie sich mal “American Hustle” an – dann verstehen Sie, was ich meine. Für mich war von Anfang an auch klar, dass Joel Edgerton den Ramses spielen sollte.

Der Film wurde in Spanien in einem sehr großen Filmset gedreht. War das von Vor- oder Nachteil?

Spanien ist ein sehr schönes Land. Als wir dort gedreht haben, war es heiß und deswegen sehr anstrengend. Das Set lag in einem heißen Tal und war etwa einen Kilometer lang. Es ist sehr wichtig, ein gutes Set zu haben – egal, ob es groß oder klein ist. Es muss zu dem Universum passen, das im Film dargestellt werden soll. Die Setgestaltung hat einen sehr starken Einfluss auf die Leistung der Schauspieler. Das Wichtigste ist immer die Authentizität. Wir hatten eine tolle und sehr multinationale Filmcrew, die das alte Ägypten wieder zum Leben erweckt hat.

Wie viel Ridley Scott steckt in “Exodus”?

Natürlich steckt Ridley Scott mit drin, aber es ist auch zu großem Teil ein Fox-Studio-Film geworden. Normalerweise würde ich einen Film wie “Exodus” in 140 Tagen drehen. Wir hatten aber gerade einmal 74 Drehtage. Beim nächsten Film werden sie mich vielleicht darum bitten, nur 60 Tage lang zu drehen. Natürlich kann ich das machen, es würde nur jeden anderen umbringen. Die Studios müssen sparen, also werden die Drehorte sehr sorgfältig ausgewählt. Spanien bietet starke Steuernachlässe, darum haben wir dort das Filmset aufgebaut. Ich habe “Exodus” drehen dürfen, musste dafür aber auch Einschnitte in der Produktion hinnehmen müssen.

Zieht der Film eine Parallele zu der derzeitigen Nah-Ost Krise, wie zum Beispiel zwischen Israel und Palästina?

Nein, das zieht er nicht, das würde auch für viel zu viel Ärger sorgen. Natürlich sehen manche Menschen einen Zusammenhang: “Gebt ihnen das Land! Wen juckt das schon? Nein, das können wir nicht!” Das klingt so schrecklich bekannt und vertraut. In unserer Crew gab es viele verschiedenen Religionen – Katholiken, Protestanten, Muslime, Juden, Buddhisten. Wir haben über zwei Monate quasi in einem Miniatur-Staat gelebt – und es ist nie etwas passiert. Es gab keinerlei Probleme. Denn jeder wusste, dass er einen Job zu erledigen hat. Und das hat wunderbar geklappt. Menschen sind doch wirklich seltsam.

Text by: Veronika Scheidl

Leave A Comment

Your email address will not be published.