Mein Mann Brian will auf den Gipfel des Mt. Whitney wandern. What the f%!k? Das ist nach dem Mount McKinley in Alaska (6194 Meter hoch) und ein paar anderen Bergen in Alaska einer der höchsten Berge der Vereinigten Staaten. 4421 Meter hoch! Das klingt hoch, sehr hoch. Ich war mal auf der Zugspitze, die hat 2962 Meter, allerdings bin ich da mit der Seilbahn raufgefahren…

Um auf den Mt. Whitney zu klettern braucht man eine Genehmigung, die gewinnt man in einer Auslosung. Bei Brians erstem Versuch 2013 klappt es nicht. Glück gehabt! Im Jahr 2014 klappt es, Brian bekommt eine Genehmigung für Ende September. Ach, das ist ja ungünstig, viel zu spät, ist ja schon richtig kalt dann. Mein Mann gibt nicht auf und schafft es das Ding umzutauschen. Ende Juli, perfektes Timing. Shit! Und jetzt? Ich habe ja nicht so wirklich Lust, versteht mich nicht falsch, ich gehe gerne Wandern, wenn ich nicht mein ganzes Essen und mein Zelt mittragen muss, ich gehe gerne auch zelten, wenn das Auto in der Nähe parkt. Aber meine Sachen auf über 4000 Meter schleppen, das kann ich nicht. Will ich nicht!

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Für Brian ist das gar keine Frage, klar kann ich das, ich suche nur nach Ausreden, nach Gründen wieso ich nicht kann. Ich bin nicht so fit, die Höhenluft, da tue ich mich bestimmt schwer, blabla. Er hat Recht, ich suche nach Ausreden. Es klingt anstrengend, hart, richtig hart! Ich fange an zu lesen, Blogs von Leuten die da schon waren. Hm, klingt machbar. Viele Rentner waren da auch schon, na dann kann ich das auch! Ich bin hin und hergerissen. Wir müssen trainieren. Ich habe aber eigentlich keine Zeit! Wieder eine Ausrede. Wir trainieren tatsächlich nur zweimal so richtig, mit vollem Rucksack in der Nähe von Los Angeles, wo wir wohnen. Wir machen alles falsch. Ich packe zu viel ein, war klar, und esse zu wenig. Beim zweiten Mal, auf dem San Gorgonio haben wir die falschen Klamotten dabei und frieren uns ganz extrem den Hintern ab, kein Spaß!

Aber wir joggen viel und planen. Und lesen. Bücher und Blogs. Leute sehen Bären, Bären klauen Rucksäcke, Murmeltiere beißen sich durchs Zelt, Wanderer erzählen von schlimmen Kopfschmerzen wegen der Höhe, viele schaffen es nicht auf dem Gipfel wegen der Höhenkrankheit, oder Hagel oder Schneeregen. Gewitter und Blitz und Donner gibt es fast täglich, fängt es auf dem Weg nach oben an zu blitzen, soll man sofort umkehren. Macht mir Angst! Brian hingegen meint, wir sind „Ready to Go“. Wir haben aus unseren Fehlern gelernt und können los. Hm, ich bin mir da immer noch nicht sicher, so gar nicht sicher. Und was wenn es blitzt? Ich muss ja nicht mit, aber irgendwie will ich jetzt doch.

Wir fahren los, nach Lone Pine, holen unsere Genehmigung ab und lassen uns vom Park Ranger erklären wie man sein „Geschäft“ in eine Plastiktüte macht, die man dann auch voll wieder runtertragen muss, na prima! Wir fahren ins „Onion Valley“ zum klimatisieren, gehen etwas wandern. Es regnet! Na super, wäre ich doch zu Hause geblieben…

Wir fahren zum nächsten Zeltplatz, kurzer Stop in Lone Pine, die „Bear Can“, also den bärensicheren Behälter abholen. Alles an Essen und was mit Essen zu tun hat oder nach Essen riecht muss da rein, während man auf dem „Mount Whitney Trail“ wandert. Das Ding ist unpraktisch und hat relativ viel Gewicht. Am nächsten Zeltplatz steht was von „ bear activity every night“, es ist kalt! Wir packen unsere Rucksäcke um. Wirklich nur das Allernötigste darf rein!! Das Handy bleibt im Auto, es wiegt zu viel und man hat eh keinen Empfang. Der Rest der übrigen Sachen kommt in eine „Bear Box“, lässt man das Zeug im Auto, kann es schon mal passieren, dass einem Bären die Karre zerlegen, während man auf dem Berg ist.

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Es gibt Wanderer, die gehen um 2 Uhr morgens los, machen sich auf den Weg zum Gipfel und sind dann 17 Stunden später wieder am Auto. Die gehen die halbe Strecke im Dunkeln, wieso verstehe ich nicht, aber man muss so natürlich nichts mitschleppen. Wir bleiben zwei  Nächte auf dem Berg. Warum Stress machen, wenn man schon mal die Genehmigung hat. Oben am Berg hat es geschneit und gehagelt. Na toll.

Wir essen einen Riesenpfannkuchen im „Portal Store“ um 7 Uhr morgens, der „Pancake“ ist größer als eine Pizza, ich esse dazu noch Eier und Speck, das letzte gute Mahl! Am Start sind wir bei 2393 Meter. Na, dann haben wir ja nur etwas mehr als 2000 Meter zu überwinden. Der Himmel ist knallblau, die Sonne scheint. Es geht los. Mein Rucksack wiegt ca. 10 kg, etwas mehr als ich geplant hatte, ich habe aber echt nur das Nötigste drin, mein einziger Luxusartikel ist mein alter iPod. Zwei Paar Socken, eine warme lange Unterhose, Daunenjacke, Mütze, Handschuhe, Sonnencreme, Essen, Taschenmesser und die Kontaktlinsen. Sogar eine Zahnbürste, ich habe allerdings den Griff abgesägt, man muss ja Gewicht sparen!

Der Wanderweg ist wunderschön, es ist steil, aber machbar. Die Natur ist ein Traum. Brian geht viel schneller als ich, obwohl sein Rucksack schwerer ist, er trägt das Zelt. Wir machen alle 50 Minuten Pause und essen, Hunger oder nicht.  Der Schlauch der Wasserblase kommt direkt aus dem Rucksack, superpraktisch. Wieso habe ich mir so ein Teil nicht schon vor Jahren gekauft!? Der Rucksack ist schwer, Jammer! Ich will einen Hamburger und ein Bier! Die Wanderer, die uns entgegenkommen, haben es alle nicht auf den Gipfel geschafft, wegen dem Schneesturm und dem Hagel… oh Mann! Wir gehen ca. 10 Kilometer am ersten Tag, bis zu unserem Basecamp. Beim ersten Anzeichen von Kopfschmerzen nehmen wir Aspirin, es funktioniert, es wird nicht schlimmer. Wir schlagen unser Zelt etwas entfernt vom eigentlichen Basecamp auf, am „Consultation Lake“, es ist niemand da außer uns. Wir zwingen uns zu Essen. Man hat nicht so viel Hunger so weit oben.

mt-whitney-16-webWir sehen jede Menge Murmeltiere! Die haben aber fiese Zähne. Sobald man einen Müsliriegel auspackt sind die da, schlau! Es wird schnell kalt. Um 18 Uhr habe ich alles an, was ich dabei habe und verkrieche mich ins Zelt. Wir können beide nicht schlafen wegen der Höhenluft. Endlich ist es 5 Uhr morgens und wir dürfen aufstehen. SAUKALT! Alles ist in orange-farbenes Licht getaucht. Alpenglühen?  Wir zwingen uns zu essen, die Haferflocken bleiben einem im Hals stecken, aber wir brauchen die Energie, noch ein Löffel. Das Zelt bleibt stehen und offen, damit die Murmeltiere kein Loch reinbeißen.

Wir nehmen unsere kleinen Tages-Rucksäcke und ziehen los. Ah, kein Gewicht. Wir füllen unsere Wasservorräte auf, essen noch einen Snack und los geht’s. Einer der härtesten Wege für heute sind die „99 Switchbacks“. 99 Serpentinen, zick zack, 99 Mal, zick zack. Einschüchternd! Für diesen Teil habe ich meinen iPod dabei. Los geht’s. Es zieht sich. Wir brauchen ca. 2 ½ Stunden, ich singe und summe. Zick zack! Wir sind noch weit entfernt vom Gipfel. Man hat unendlich viel Zeit zum Nachdenken und ich denke immer wieder über die selben Sachen nach, das läuft alles auf Wiederholung, seltsam. Weiter gehen! Es liegt noch etwas Schnee. Ich bin eine der schnelleren Wanderer bei den Serpentinen, überhole viele Leute und überrasche mich selbst. Trinken! Essen! Ich gehe an einem Typen vorbei dem offensichtlich schwindlig ist, die Höhenluft! Der sollte wohl besser umkehren, macht er aber nicht.

Ich muss pinkeln. Ja wohin den? Es sind ja auch überall Leute, der Weg ist schmal. Na, hilft ja nichts, hinter mir ist gerade keiner! Schnell pinkeln und weiter geht’s! Brian ist wieder ein Stück voraus, er wartet immer wieder auf mich. Wir werden beide müde. Trinken! Essen! Ganz schön steil. Oh Mann, zum Teil geht’s da echt fies runter. Am Besten nicht so genau schauen. Überall Felsen. Mir gefällt es ja da besser wo noch Bäume sind. Dieses felsige und steinige ist ja mal ganz interessant, aber grüner ist schöner!

Aaaaaahhh, wieso mach ich das eigentlich?? Und wie lange denn noch?? Ich habe keine Lust mehr. Ich träume von einem Starbucks Kaffee. Na, wenn Bastian Schweinsteiger sich 90 Minuten lang im Finale treten und blutig schlagen lassen kann um Weltmeister zu werden, dann kann ich es jetzt auch auf diesen Gipfel schaffen!

Ich brauche ca. 6 Stunden vom Base Camp zum Gipfel. Ich habe es geschafft! Ich bin sehr, sehr, sehr stolz auf mich! Es ist unser Jahrestag. Wir feiern unseren achten Jahrestag auf dem Gipfel, wie geil ist das denn. Da steht tatsächlich einer und telefoniert, in voller Lautstärke mit seiner Frau. Muss das ein? Ein Mädel macht Yoga Selfies, nerv! Der höhenkranke Asiate wackelt an mir vorbei, er sieht aus als wäre er betrunken, ich hoffe, der kommt wieder heil runter. Wir haben ca. eine Stunde um den Gipfel zu genießen. Wir haben es geschafft, ich habe es geschafft! Absolut machbar!

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Insgesamt sind wir 35 Kilometer gewandert, nach dem Gipfel waren wir um ca. 16 Uhr zurück am Zelt, da wir gerne schlafen wollten, haben wir schnell alles zusammengepackt und sind weiter nach unten gewandert zum „Outpost Camp“. Nicht so kalt und nicht so hoch. Das Dinner haben wir ausgelassen und stattdessen haben wir unsere Snacks aufgegessen, wir hatte beide keine Lust mehr auf noch ein weiteres dehydriertes Dinner.

Ich habe geschlafen wie ein Baby und der Burger am nächsten Tag war ein Traum! Das mit der Tüte? Kein Problem!
Gut dass mein Freund immer mal wieder so verrückte Ideen hat! Man kann so viel mehr, als man denkt.

Und wenn ich das kann, könnt Ihr das auch!!!

http://www.fs.usda.gov/detail/inyo/passes-permits/recreation/?cid=stelprdb5150055

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