Kobe Bryant trat von der NBA-Bühne mit einem Paukenschlag ab

Nach 20 Jahren als Ausnahmeprofi in der NBA und fünf Titeln mit den L.A. Lakers hat Basketball-Star Kobe Bryant sein finales Spiel absolviert. Am 13. April lief er zum letzten Mal im Staples Center in Downtown Los Angeles für seine Lakers auf im Spiel gegen Utah Jazz – und erzielte 60 Punkte. Das gelang ihm nur sechs Mal in der gesamten Karriere. Es flossen Tränen und Fans, Freunde und die Familie haben Kobe einen gebührenden Abschied bereitet.

Die Kobe-Show endet

Mit seinem letzten Spiel ging eine Ära zu Ende. Ein letztes Mal bebte das Staples Center  und wurden die Lichter gedämmt, als Kobe Bryant im hellen Spot auf den Court lief und der Stadionsprecher grölte: „Eure Nummer 24 . . . Kobeeeeeee Bryaaaaaaant!“ Kobe war das Herz der Mannschaft. Er trifft immer und immer wieder, gewinnt  Bälle zurück und versucht aus jeder Distanz zu punkten.  Und das macht er so lässig, als wenn er vor seiner Garage stehen würde und auf den hauseigenen Korb wirft!

Die „Kobe-Show“ endete nun genau so enden, wie sie einst begann: mit allen Augen auf das Jahrhundert-Talent gerichtet. Wir werfen einen kurzen Blick zurück auf die sportliche Erfolgs- und Leidensgeschichte des Superstars, illustrieren seinen seltsamen Abschied und blicken in die Zukunft.

So kannte man ihn: Kobe Bryant in Action

So kannte man ihn: Kobe Bryant in Action. credit: NBAE/Getty Images

Die Geschichte & Erfolge der „Black Mamba“

Egal, wo Kobe Bryant in den letzten Monaten mit seinen Lakers auflief, entkommen konnte er den vielen Danksagungen seiner Kollegen, Trainern und Offiziellen nicht. Und das, obwohl Kobe deutlich gemacht hat, dass er keine Abschiedstour wolle.  „Du hast wirklich Großes geleistet, genieße die letzten Monate deiner Karriere“, schmeichelte  Legende Michael Jordan kurz vor Bryants Besuch bei den Charlotte Hornets. Jenem Klub, bei dem das Jahrhunderttalent seine Sporen verdiente und das er 1996 in Richtung L.A.verließ.

In Los Angeles reifte er schließlich zu einem Idol, der gefürchteten „Black Mamba“.  20 Jahren spielte der Junge aus Philadelphia bei den L.A. Lakers, die er nie verließ und mit denen er große Erfolge einfahren konnte:

  •  Fünf NBA-Meisterschaftstitel
  • Zweifacher Olympiasieger
  • Fünfter Spieler der NBA-Geschichte, der 30.000 Punkte erzielte
  • 17 All-Star-Nominierungen
  • Most Valuable Player (2008)

Der seltsame Abschied einer Legende

Vor seiner 20. Saison in der US-Profi-Liga NBA gab Bryant sein Karriereende bekannt. Bekannt gab die Lakers-Legende seinen Rücktritt auf eine für einen Basketballer höchst ungewöhnliche Art und Weise. Der Shooting Guard aus Los Angeles verkündete seine Entscheidung auf der Internetplattform The Players‘ Tribune in einem Gedicht, welches er „Dear Basketball“ taufte. Zwar könnten sein Herz und sein Gehirn die Belastungen des Sports noch ertragen, „aber mein Körper weiß, dass es an der Zeit ist, auf Wiedersehen zu sagen.“ Bereits im zarten Alter von sechs Jahren habe er sich in die Ballsportart verliebt und ihr alles gegeben, was ihm wichtig ist: „Geist und Seele“, schrieb Bryant weiter in seinem Gedicht.

Erleichterung bei den Team-Kollegen?

Ob seine Team-Kameraden ebenso Wehmut verspüren werden, wie die Legende, ist fraglich. „Einen Spieler wie mich wird es nie wieder geben“, sagt der Mann aus Philadelphia selbstbewusst über seine Bedeutung im Basketball. Damit hat er zwar nicht unrecht, aber seine Leistungen in den letzten Jahren wurden vielfach auch zur Belastung des Teams! Durch zahlreiche Verletzungen wie einer Achillessehnenruptur, einem gebrochenen Schienbeinkopf und iner hartnäckigen Schulterverletzung, musste Bryant lange pausieren. 2014 verlängerte er trotz seiner „Wehwehchen“ seinen Vertrag um zwei weitere Jahre für saloppe 48,5 Millionen Dollar. Anstatt auf sein Gehalt zu verzichten, wie Deutschlands Vorzeige-Basketballer Dirk Nowitzki, und das gesparte Geld in den Kader zu stecken, kassierte die „Black Mamba“ noch einmal ordentlich ab – auch wenn er an die Leistungen von früher längst nicht mehr herankam.

Nicht mehr der alte Kobe Bryant

Betrug sein Punkteschnitt in der Saison 2013 noch 27,3 pro Spiel, fiel dieser in den letzten Jahren drastisch ab (2014: 13,8, 2015: 22,3) und liegt aktuell bei 17,6 Punkten pro Spiel. Aber nicht nur der Punktschnitt zieht die Leistung der Lakers runter. Bryant braucht zu viele Versuche für einen Treffer. Der Ball läuft einfach nicht mehr rund durch die Reihen der Lakers. Hoffnungsträger für die nächsten Jahre wie Jordan Clarkson und D’Angelo Russell leiden zusätzlich unter seinen Leistungen. Die Offiziellen der Lakers hofften nämlich insgeheim, ihre Talente unter der Legende schneller entwickeln und zu echten Führungsspielern reifen lassen zu können. „Ich denke, dass das, was ich geleistet habe, die Spieler von heute und morgen positiv beeinflusst“, so Bryant. Von diesem Optimismus ist aber leider in letzter Zeit, vor allem auch durch seine langen Verletzungspausen, nichts zu sehen. Er selbst fliegt nur noch selten unterm Korb, dafür schwebt er zu sehr über den Dingen.

Die Zukunft des Idols

Sportliche Ziele hat der 37-Jährige trotzdem noch. Das europäische Fußball-Legenden nach dem Ablauf ihrer goldenen Jahre ihre Karriere in den USA ausklingen lassen, ist für die meistens nichts Neues. Bryant,  der einen Teil seiner Kindheit in Italien verbrachte, hätte diesen Schritt gerne anders herum gewagt: „Das war einer meiner größten Wünsche, nur mein Körper lässt es nicht mehr zu.“ Insgeheim hofft das Lakers-Idol nun auf einen internationalen Abschied á la „Magic“ Johnson bei den Olympischen Spielen 2016. Die USA gelten in Rio de Janeiro als haushoher Favorit um den Titel. Bryant könnte hier seine dritte Goldmedaille (2008: Peking & 2012: London) einfahren.

Zwei Legenden: Michael Jordan und Kobe Bryant

Zwei Legenden: Michael Jordan und Kobe Bryant. credit: NBAE/Getty Images

Was bleibt von Kobe Bryant?

Reiht er sich in die Reihen von ewigen Legenden, wie Michael Jordan oder Magic Johnson ein? Neben den herausragenden Leistungen für den Basketballsport in der Vergangenheit gelang es  Jordan und Johnson nach dem Karriereende auch in geschäftlicher Hinsicht ihren Legenden-Status weiter pflegen.  Michael Jordan ist das beste Beispiel für eine gelungene Transformation vom Super-Sportler zum erfolgreichen Geschäftsmann. Alleine im vergangenen  Jahr verdiente die Bulls-Legende 100 Millionen Dollar pro Jahr.  Zum Vergleich: Als aktiver NBA-Star flossen „nur“ 94 Millionen Dollar auf sein Konto. Angefangen hat das Business Konzept Michael „Air“ Jordan vor gut 30 Jahren. Er unterschrieb einen Vertrag mit der Sportmarke Nike, die bis 1998 insgesamt 2,3 Milliarden Dollar (2 Milliarden Euro) mit Michael-Jordan-Produkten wie dem „Air Jordan“-Schuh verdiente. Heute werden mit der eigenen Marke „Jordan Brand“ Milliarden-Umsätze gemacht. Und der Namensgeber profitiert. Mit einem Vermögen von einer Milliarde Dollar ist Jordan auf Platz 1756 der Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt gerutscht.

Ein leuchtendes Beispiel für Kobe Bryant? Das Ende der sportlichen Karriere bei den Lakers könnte auch gleichzeitig als Startschuss für eine neue  Ära werden. Gerüchten zufolge könnte Bryant weiter als Aushängeschild der Lakers auf geschäftlichere Ebene fungieren. Oder vielleicht sogar als deren Coach, nachdem es zuletzt wenig glanzvoll lief für die einstigen Dauer-Champions. Die Zeit wird es zeigen.

Kobe Bryants Karriere in Zahlen:

48,655: Minutes played, the sixth most in NBA history

33,643: Career points, third on the NBA’s all-time scoring list behind Kareem Abdul-Jabbar (38,387) and Karl Malone (36,928)

5,640: Points scored in the NBA Playoffs, third most in NBA history behind Michael Jordan (5,987) and Kareem Abdul-Jabbar (5,762)

81: Points in a 122-104 victory against the Toronto Raptors on Jan. 22, 2006, the second-highest total in NBA history behind Wilt Chamberlain’s 100-point game in 1962

50: Twenty-four career 50-point games, third most in NBA history behind Wilt Chamberlain (118) and Michael Jordan (31)

37: This season he became the first player age 37 or older to score at least 25 points in three straight games since Michael Jordan at 40 in 2003

24: Jersey number beginning in the 2006-07 season after switching from No. 8

20: Seasons with the Lakers, the most with one team in NBA history

18: Consecutive All-Star Game selections (the longest streak in NBA history) and All-Star Game selections overall (the second most all time behind Kareem Abdul-Jabbar’s 19)

16: Appearances on Christmas Day, the most in NBA history

15: All-Star Game starts, the most in NBA history

13: Overall selection by the Charlotte Hornets in the 1996 NBA Draft

11: All-NBA First Team selections, tied with Karl Malone for the most in NBA history

9: NBA All-Defensive First Team selections, tied with Kevin Garnett, Michael Jordan and Gary Payton for the most in NBA history

5: NBA championships, tied with Tim Duncan of the San Antonio Spurs for the highest total among active players

4: All-Star MVP Awards (2002, 2007, 2009, 2011), tied with Bob Pettit for the most in NBA history

2: Finals MVP Awards (2009, 2010)

1: Kia NBA Most Valuable Player Award (2007-08)

Alle Fotos: © NBAE/Getty Images 

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