Mit seinem neuen Film „Kiss the Cook – So schmeckt das Leben“ schuf Jon Favreau mit kleinen Mitteln, dafür aber mit großer Leidenschaft eine Hommage an das Kochen – und die Liebe. Carl Caspers ist leidenschaftlicher Chefkoch eines Sterne-Restaurants. Nachdem seine Ehe mit Inez (Sofia Vergara) in die Brüche geht, verliert er nach einem Streit mit einem renommierten Restaurant-Kritiker auch noch seinen Job. Zunächst am Boden zerstört, wagt Carl einen Neuanfang: Er legt sich einen Food Truck zu, fährt gemeinsam mit seinem Sohn Percy durch die USA – und steuert direkt auf das Herz seiner Ehefrau zu.

Jon Favreau schrieb das Drehbuch, führte Regie und spielt auch gleich noch die Hauptrolle. neuH traf den 48-Jährigen während der Dreharbeiten in Los Angeles zum Interview:

Was war die Grundidee des Films?

Ich mochte schon immer gerne Köche, Food Trucks, die Esskultur überhaupt und es war mir klar, dass man eine Geschichte über den kreativen Prozess aus den Augen der Köche erzählen kann. Wie ihr stressiger Job mit der Familie zusammenpasst, all so etwas. Irgendwann schoss mir ganz plötzlich ein Gedanke durch den Kopf und ich schrieb ihn auf, um ihn nicht zu vergessen. Im Allgemeinen ist das ein gutes Zeichen, wenn man sofort etwas aufschreiben will, denn es bedeutet, da ist etwas, dass einen beschäftigt, eine Geschichte, die erzählt werden sollte. Als ich dann mit dem eigentlichen Schreiben der Story begann, versuchte ich, nicht zu stoppen, bis ich fertig bin, damit all diese tollen Visionen, die ich im Kopf hatte, nicht verloren gehen. Ich habe es also geschrieben, es mir angeschaut und etwas hat Klick gemacht.

Food Trucks sind ein großes Thema in den USA?

Ja, das stimmt. Mein Büro ist in Venice, wo es sehr viele Food Trucks gibt und es hat etwas wirklich romantisches. Die ganzen verschiedenen Typen, die mit traditioneller Ausbildung früher unter anderen Köchen gearbeitet haben. Meist in Restaurants, in denen viel Geld für tolles Essen ausgegeben wird. Doch dort fanden sie nicht ihre kreative Erfüllung. Das Kapital, um ein eigenes Lokal zu eröffnen fehlt, aber einen Food Truck kann man schon für relativ wenig Geld erwerben und als Start nutzen. Sie müssen nur bereit sein, ein Risiko einzugehen und frei zu sein. Sie müssen nicht all die netten Dinge wie in einem Restaurant aufbringen, aber Sie können sich kreativ erfüllt fühlen.

Haben Sie einen Lieblings Food Truck?

Ich mag die Kogi Food Trucks von Roy Choi. Nachdem ich das Drehbuch geschrieben hatte, habe ich mit ihm gesprochen, um mehr darüber herauszufinden. Ich habe ihn vorher nicht persönlich gekannt, aber als ich seine Geschichte hörte, die der des Films sehr ähnelt, wollte ich ihn kennen lernen. Roy war der erste in LA, der Korean BBQ mit mexikanischen Tachos verband. Dank Twitter wurde er zu einer Sensation. Er war ein Typ mit sehr traditioneller Ausbildung und er arbeitete in vielen großen Küchen. Aber er wollte sich nicht anpassen und kaufte einen Food Truck, er wagte diesen Schritt einfach. Und er ist das beste Beispiel dafür, dass man es schaffen kann. Er brachte mir alles über dieses Geschäft bei, trainierte mich und zeigte mir, wie alles funktioniert. Als erstes schickte Roy mich zur traditionellen französischen Ausbildung, wie ein normaler Student, bevor ich in seiner Küche helfen durfte. Zu Beginn arbeitete ich nur während der Pausen, dann schließlich als Aushilfskraft und dann bei Veranstaltungen. Ich bin nicht auf der Ebene eines echten Kochs, aber wenn es drauf ankommt, weiß ich, was ich in der Küche zu tun habe.  Es ist hart, aber ich habe viel gelernt. Ich sah, wie viel Arbeit es ist und auch, wie viele Menschen das genießen.

Hat man Sie erkannt? 

Ich habe in einem Food Truck gearbeitet, aber alles, was die Menschen dort wollen, ist ihr Essen. Wenn ich ihre Nummer aufrief, zählten für sie nur ihre Tacos. Manche Leute fragten „Kenne ich Sie?“, aber die meisten interessierten sich nicht für mich.

Kochen Sie auch privat?

Ja, sehr viel. Es ist gut, Kinder zu haben, die wollen immer essen. Außerdem ist Kochen für mich beruhigend, es hat etwas von Meditation. Sie müssen es richtig machen, dürfen sich nicht schneiden und müssen vollständig konzentriert sein, man darf an nichts anderes denken. Sie kommen in diesen Flow und die Zeit vergeht. Es hat mir gezeigt, wie Menschen ihr Leben vollkommen dem Essen widmen können. Ich denke, dass ein weiterer schöner Teil des Restaurant-Business‘ – verglichen mit anderen Unternehmen – ist, dass es Praxis braucht. Es ist harte Arbeit, in den Küchen herrschen Zustände fast wie beim Militär. Die Leute widmen dem Geschäft wirklich ihr Leben, das war eine tolle Erfahrung.

Glauben Sie, dass Ihre Kinder von der Ausbildung profitiert haben? 

Sie lieben es. Alles, was sie tun möchten, ist Kochen und ich denke schon über den Kauf einer Großküche für mein Haus nach, weil es ein Ort ist, wo die ganze Familie zusammen kommt. Ich bringe meinen Kindern nicht bei, mit Messern zu spielen, denn das ist gefährlich. Ich zeige Ihnen, wie man richtig kocht.

Was kochen Sie?

Ich liebe italienisches und französisches Essen. Es ist schön, wenn man reist. Ich war nie im Ausland , bevor ich in die Filmindustrie eingestiegen und auf Festivals gegangen bin und dadurch die Möglichkeit hatte, im Süden Frankreichs das Essen zu probieren. Alles ist ein wenig anders dort. Es fühlt sich sehr speziell und emotional an. Das ist hier irgendwie verloren gegangen. Es kommt aber zum Glück zurück dank dieser kleinen Restaurants, in denen die Köche darauf Wert legen, wo das Essen herkommt und wie es zubereitet wird. Ich schätze diese kleinen Dinge am Kochen. Es ist diese starke emotionale Beziehung zwischen dem Koch und den Menschen, für die er kocht. Ich finde, dass Köche alle etwas gemeinsam haben. Sie verdienen, im Vergleich zu anderen Branchen, nicht genug Geld, aber sie bekommen dafür eine Menge Zufriedenheit. Sie sind leidenschaftlich in dem, was sie tun und es braucht eine besondere Art von Persönlichkeit, sein Leben anderen Menschen zu widmen, um sie glücklich zu machen.

Haben Sie ein Gericht, für das Sie berühmt sind?

Alles, was selbstgemacht ist. Mein Sohn liebt es, wenn ich Pasta mache. Es ist nicht perfekt, aber es schmeckt besser als aus dem Laden. Meine Pizza ist auch gut, fast so gut wie aus einem Restaurant.

Wie war es, mit Dustin Hoffman zu arbeiten? 

Wir haben eine Menge Szenen zusammen. Mit Dustin Hoffman zu arbeiten, ist eine Ehre. Wenn Sie mit ihm proben, beginnt er Geschichten zu erzählen und man kann ihn nicht unterbrechen, weil man die Geschichten einfach hören will. Wenn er genug von Rainman geredet hat, beginnt er über Midnight Cowboys zu reden und Sie erinnern sich wieder, wie viele Filme er schon gemacht hat. Ihn als Teil des Films zu haben, ist großartig, weil er seine Kreativität voll mit einbringt. Er ist sehr gut, denn er beschäftigt sich mit seiner Rolle. Seine Energie, seine Haltung, sein Talent mit seiner Improvisation und Comedy ist wunderbar.

Gab es eine Menge Improvisation in diesem Film?

Ja, wir wollten den Rhythmus beibehalten, wenn wir zusammen gearbeitet haben und ließen die Kamera laufen, um ehrliche Momente zu bekommen. Sie brauchen nur einen ehrlichen Moment in einer Szene, um ein Gefühl der Enthüllung zu haben. Ich beharre nicht auf meine Dialoge. Ich beharre nur auf meine Geschichte und auf die Emotionen. Damit wir einen Weg finden, jeden Moment festzuhalten, lasse ich Schauspielern freien Raum. Ich weiß, dass Woody Allen und Martin Scorsese das auch tun. Das sind echte Momente.

Sie haben ein ganz schön großes Star-Aufgebot in dem Film. Wie war es, mit den anderen zu arbeiten?

Scarlett Johansson, mit der ich auch in Iron Man 2 an den Action-Sequenzen gearbeitet habe,  ist sehr intelligent. Sofia ist auch sehr smart. Eine sehr scharfsinnige Person. Ich mag intelligente Menschen. Ich fühle mich zu ihnen hingezogen. Ich habe schon vorher mit Robert Downey Jr. gearbeitet und wollte es unbedingt wieder tun. Dieser Film lebt von seinen Emotionen und Momenten, es gibt keine Action und es gibt keine Explosionen. Die Geschichte steht im Mittelpunkt. Sie sind wirklich auf den Menschen angewiesen. Und alle diese Menschen geben ihr bestes, sie sind toll.

Sehen Sie unser video hier: http://neuh.com/roy-choi/

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