„Ich möchte mich für Bevölkerungsgruppen einsetzen, die Opfer von Trumps fragwürdigen Ansichten geworden sind“

John Legend,  Sie singen normalerweise bevorzugt Liebeslieder. Auf Ihrer aktuellen Tournee und auch in den Videos zu Ihren neuen Songs bauen Sie auffällig viele politische Botschaften ein. Als Reaktion auf die amerikanische Politik unter Präsident Donald Trump?

John Legend: Die Wahl von Trump zum Präsidenten und die seitdem zunehmende Verbreitung von Ungerechtigkeit und Hass beeinflusst meine Arbeit sehr massiv. Mit meiner Musik möchte ich genau das Gegenteil von dem erreichen, für was Trump politisch und menschlich steht: Nächstenliebe und Toleranz. Ich möchte als Künstler meine Stimme nutzen, um mich für Bevölkerungsgruppen einzusetzen, die Opfer seiner fragwürdigen Ansichten geworden sind. Mit den Videos zu den Songs „Surefire“ und „Love Me Now“ möchte ich versuchen der aggressiven Rhetorik, die aus Washington kommt, entgegen zu wirken. Es geht in den Songs zwar nicht direkt um Politik, sondern um den Zusammenhalt der Menschen bei den Herausforderungen, denen wir uns auf der Welt aktuell stellen müssen. Einige dieser Herausforderungen sind überhaupt erst mit der Wahl von Präsident Donald Trump entstanden.

In Ihren Konzerten rufen Sie den Fans zu: „Unsere Vision von Amerika ist gegensätzlich zu der von Präsident Trump“?

Trumps Vision ist eine Vision von Angst, Gewalt und Korruption. Unsere Vision besteht aus Zusammenhalt und Liebe. Wir wollen verschiedenen Religionen, sexuellen Orientierungen und Nationalitäten tolerant entgegen treten. Das ist die einzig richtige Vision und die passt nicht zu der Vision von Donald Trump. Ich denke wir alle sehnen uns nach dem Gefühl von einer Gesellschaft, in der wir uns auf den Anderen verlassen können. Gleichberechtigung und die damit verbundene Gerechtigkeit spielen hierbei eine sehr große Rolle. Mit meiner Musik möchte ich die Menschen genau zu dieser Verbundenheit inspirieren und sie während meiner Konzerte die Gemeinschaft untereinander spüren lassen. Zwar ist die Politik für mich persönlich und meine Musik sehr wichtig, aber manchmal muss man die Politik auch mal für einen Moment vergessen und sich auf das Menschliche konzentrieren. Bei vielen meiner Konzerte machen sich Menschen spontan oder geplant Heiratsanträge. Das ist genau das was ich mir für meine Konzerte wünsche: Menschen zusammen zu bringen.

„Es ist schrecklich, dass Geld nun in Waffen und das Militär investiert wird, statt in Kunst, Kultur, Gesundheit und Bildung“ 

Sie sind in Ohio aufgewachsen, einem US-Staat der mehrheitlich für Trump gestimmt hat. Können Sie Ihre Landsleute verstehen, die Ihm seine Stimme gaben?

Wenn man Ohio als Kandidat für sich gewinnt, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch die Wahl zu gewinnen. Das war schon immer so. Immer wieder macht dieser Staat einen Schritt nach vorne – und dann allerdings auch wieder mächtige Schritte zurück. Rund 50 Prozent der Menschen dort sind Republikaner, die anderen 50 Prozent Demokraten. Ich denke ein ausschlaggebender Punkt für die mehrheitlichen Stimmen für Trump war die Frustration, die Menschen dort jahrelang in der Politik erleben mussten. Mit der Stimme für Trump hofften die Menschen dort und auch im restlichen Land auf Veränderungen. Und vor allem auf Verbesserung, denn genau das hatte Trump ihnen in seinem Wahlprogramm versprochen. Doch seit seiner Wahl als Präsident hat er die Arbeiterklasse und die Mittelklasse komplett außen vor gelassen. Bisher profitieren nur die Wohlhabenden von seinen Veränderungen. Er hat sich die Stimmen dieser Menschen gesichert, indem er ihnen falsche Hoffnungen und Versprechen gab. Er hat etwa entschieden, das Budget für die „Nationale Stiftung der Künste“ zu streichen, das für die unteren Gesellschaftsklassen sehr wichtig ist. Damit wurden bislang Kinder und Jugendliche aus ärmeren Familien gefördert Musik zu machen oder sonstige Talente als Künstler auszuleben. Es ist schrecklich, dass das Geld nun in Waffen und das Militär investiert wird, statt in Kunst, Kultur, Gesundheit und Bildung. 

Sind Sie als Familienvater besorgt über die Gesellschaft, in der Ihre Tochter Luna aufwachsen wird?

 Ich denke alle Eltern sind besorgt um ihre Kinder, egal in welcher Generation sie aufwachsen. Natürlich ist jetzt vieles anders, als es damals bei uns war. Besonders in Bezug auf Social Media in Kombination mit der Tatsache berühmte Eltern zu haben. Das wird für sie als Kind eine Herausforderung werden. Aber ebenso für uns als Eltern. Innovationen in der Technologie machen die Welt komplex. Es hat aber auch seine Vorteile: Trotz des Terrorismus, der unsere Welt erschüttert, ist es sicherer geworden, als zu der Zeit als ich noch Kind war. Die Forschung war noch nie so fortgeschritten wie jetzt. Und auch die Kriminalitätsrate ist gesunken. So gesehen gab es also keinen besseren Zeitpunkt an dem Luna hätte geboren werden können.

„Ich wünsche mir, dass meine Tochter Luna als gutherzige, liebenswürdige und intelligente Frau heranwächst“

Sie haben für sie das Lied „Right By You“ geschrieben?

Ja, ein Liebeslied an meine Tochter. Sie ist ein typisches Kind, das es liebt zu Essen, Tanzen und zu Spielen. Für ihre Zukunft wünschen wir uns für sie, dass sie als gutherzige, liebenswürdige und intelligente Frau heranwächst. Eine starke Frau, in der andere ein Vorbild sehen können. Letztendlich können wir aber nur hoffen, dass wir später stolz auf sie sein können, denn beeinflussen oder kontrollieren können wir nun mal nicht alles. Wir können sie und ihre Geschwister nicht vor einem gebrochenen Herzen schützen. Wir können aber versuchen für sie da zu sein und ihre Wunden mit unserer bedingungslose Liebe und Aufmerksamkeit zu heilen. Den Rest müssen sie dann alleine schaffen.

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Sie zeigen in Ihren Konzerten auch private Aufnahmen Ihrer Tochter . . .

 . . . weil ich einfach ein sehr stolzer Vater bin, der das auch gerne mit den Fans teilen möchte. Wie jeder andere Vater versuche ich die Entwicklung meines Kindes mit Videos festzuhalten. Wir können dann später zurückblicken und uns an diese schönen Momente erinnern.

Ihre Frau ging ebenfalls sehr offen mit Ihren pränatalen Depressionen um.

Ich habe sie davon überzeugt zu ihrer Krankheit zu stehen und damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Ich denke das war ein sehr wichtiger Schritt für sie, denn mit ihrer persönlichen Erfahrung kann sie auf die Krankheit aufmerksam machen und letztendlich anderen Menschen damit helfen. Ob arm oder reich, berühmt oder nicht berühmt – viele Familien machen dasselbe durch wie wir. Es ist wichtig ehrlich und offen mit solchen Situationen umzugehen. Meine Frau und ich reden sehr viel darüber. Das hat uns auch in unserer Ehre zusammengeschweißt. Womit wir wieder beim Ausgangspunkt wären. Egal ob Krankheiten oder Donald Trump: man darf sich nie unterkriegen lassen und muss mit Liebe und Menschlichkeit gegen Schicksale und böse Mächte ankämpfen.

OCTOBER 1
ZENITH, MÜNCHEN

OCTOBER 8
PALLADIUM, KÖLN

OCTOBER 9
JAHRHUNDERTHALLE, FRANKFURT

 

Trumps Hollywood-Ambitionen

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