Dein Vater ist eine Art Kultfigur in Deutschland . . .

. . . ja, und ich finde Deutschland auch toll. Ich war mal beruflich in Deutschland, in Berlin. Aber ich will unbedingt nochmal kommen und das Land wirklich kennenlernen und erleben.

Sprichst du etwas Deutsch?

Ich kann nur „Dankeschӧn“ sagen, hat mir Papa beigebracht.

Du bist als Plus-Size Model erfolgreich. Wie kamst du dazu?

Ich modele seit  ich 14 bin. Ich kam eher durch Zufall dazu. Der Agent meines Vaters fragte mich, ob ich nicht modeln wollte. Er meldete mich der Ford-Agentur Ford an, ich bekam tatsächlich einige Aufträge und habe das  dann für eine Weile gemacht. Dann habe ich angefangen zu schauspielern und zu singen. Und momentan modele ich wieder mehr. Es ist interessant zu sehen, wie sehr sich das Model-Business verӓndert hat seit meinen Jugendjahren. Frauen mit Kurven sind kein tabu mehr. Die Designer reagieren darauf, bei der British Fashion Week bin ich für 13 Designer über den Laufsteg gegangen – es gibt mittlerweile eine große Auswahl an Kollektionen für Frauen, die Plus-Größen tragen. Viele Designer wie Ralph Lauren oder Donna Karan wӓhlen bereits Plus Size Models für ihre Shows.

Frauen sollen zu ihren Kurven stehen anstatt falschen Schönheitsidealen zu folgen?

Absolut! Menschen sollen sich wohlfühlen im eigenen Körper und selbstbewusst sein, egal welche Kӧrperform sie haben. Und nicht nur nicht nur die Plus Size Industrie, sondern auch andere Industrien sollten diese Message an junge Mӓdchen und Frauen auf der ganzen Welt weitergeben. Wir alle haben verschiedene Kӧrperformen und kontrollieren unsere Figuren auf unterschiedliche Weisen. Viele Menschen glauben sicherlich, dass Plus Size Models nicht trainieren und nicht auf ihre Ernährung achten, aber das tun wir. Wir sind sehr kӧrperbewusst und lassen uns nicht einfach gehen. Wichtig ist auf jeden Fall, dass rüberkommt:  alles was zӓhlt ist, dass man sich selbst liebt.

Du bist im Umfeld von Hollywood und Los Angeles aufgewachsen, hast du jemals den dort herrschenden Druck gespürt, immer perfekt aussehen zu müssen?

Nein. Ich hatte Glück! Meine Familie und Freunde haben mir immer das Gefühl gegeben, dass ich meinen Kӧrper so akzeptieren kann, wie er ist. Und mich bestärkt darin, mich selbst zu lieben, unabhängig von meiner Kleidergröße. Ich habe früh gelernt, dass es besser ist man selbst zu sein anstatt ständig zu versuchen jemand anderes sein zu wollen. Denn jeder Mensch ist einzigartig und besonders. Man soll das Leben genießen wie es ist, mit all seinen Verӓnderungen. Ich habe mit dem Modeln angefangen als ich 14 war und ich war umgeben von Frauen, die Kurven hatten und einen guten Kӧrper. Und ich habe zu ihnen aufgesehen und mir gesagt: „Wow, ich hoffe ich sehe auch eines Tages so aus!“ Ich denke genau in diesem Alter haben Teenager oft negative Gedanken, zweifeln an sich selbst. Ich hatte das Glück mich selbstbewusst und wohl zu fühlen, mit den Verӓnderungen, die mein Kӧrper im Teenageralter durchmachte. Ich hatte meine Vorbilder wie etwa meine Mutter tӓglich um mich herum, die mir beigebracht haben mich selbstbewusst und schӧn zu fühlen, unabhӓngig von meiner Kӧrperform.

Was denkst du wie Teenager mit Mobbing umgehen sollten? Wenn sie aufgezogen werden wegen ihres Aussehens oder ihres Gewichts? 

Das ist eine schwierige Frage. Es gibt keinen leichten Weg, damit umzugehen. Es macht mich wahnsinnig traurig, wenn ich darüber nachdenke, dass manche Menschen andere grundlos runtermachen. Leute, die andere mobben, tun dies in erster Linie, weil sie selbst einfach unsicher sind.  Es scheint keinen Weg zu geben, das komplett zu stoppen. Das einzige was hilft, ist zu versuchen selbstbewusst und stark zu bleiben und sich nicht von negativen Worten beeinflussen zu lassen. Jeder kontrolliert sein eigenes Leben. Ich habe mir immer gesagt, dass ich schӧn und wundervoll bin, genau so wie ich bin. Egal was mir andere an den Kopf geworfen haben, ich habe daran festgehalten. Es ist vielleicht nicht der beste Rat, aber ich denke, wenn das mir geholfen hat, hilft es auch anderen. Man kann andere leider nicht kontrollieren und das was sie sagen. Aber man kann versuchen, sie zu stoppen oder durch Kampagnen dagegen ankӓmpfen. Man sollte mit Menschen über seine Gefühle und negativen Erfahrungen reden, denn auch das hilft.

Wie waren die Reaktionen, als du mit dem Modeln für Plus Size Größen angefangen hast? 

Positiv. Ich hatte absolut gar keine negative Reaktion auf meinen Job.  Es ist toll, dass es momentan dieses große Plus Size Movement gibt. Ich bin so froh und dankbar Teil davon zu sein! Generell habe ich nie was Schlechtes über diese Bewegung gelesen.

Was denkt dein Vater darüber, dass du modelst? Unterstützt er dich?

Er unterstützt mich sehr! Ich spreche jeden Tag mit ihm und meiner Mutter und erzӓhle ihnen von meinen Erfahrungen und was alles passiert. Ich bin sehr dankbar, dass ich Menschen in meinem Leben habe die immer für mich da sind. Meine gesamte Familie unterstützt mich bei allem was ich mache und dafür bin ich mehr als dankbar, denn es ist nicht selbstverstӓndlich.

Was hast du bisher über die Modeindustrie und über Mode gelernt? Und wie würdest du deinen eigenen Style beschreiben?

Ich werde von allem inspiriert, was ich zum Beispiel auf der Strasse sehe. Egal wo oder in welcher Stadt ich bin. Ich bin jemand der gerne mit anderen Menschen spricht und sich mit ihnen austauscht. Mode gibt es auf der ganzen Welt und für mich ist es am coolsten jemanden zu sehen, der einfach er selbst ist. Ich liebe es Menschen zu treffen, die nicht das tragen, was gerade absolut angesagt und im Trend ist. Mich interessiert dann, was jemanden dazu bringt, sich morgens so anzuziehen. Durch Kleidung drückt man etwas aus. Man zeigt wer man ist, ohne etwas zu sagen oder zu erklӓren. Und das ist so besonders an Mode. Ich persӧnlich verӓndere meinen Style hӓufig. Er ӓndert sich monatlich. Ich mag zum Beispiel Vintage Chic und dunkle Farben. Jeden Tag fühle ich mich anders und so ziehe ich mich dann auch an, es kommt auf meine Stimmung an. Ich trage allerdings immer Kleider oder High Heels.

Beim Styling kommt es also immer auf die jeweilige Stimmung an?

Ja, auf jeden Fall. Und genau das ist es, was Spaß macht! Es gibt keine Regeln. Jeder kreiert seinen eigenen Stil. Es ist so cool morgens aufzuwachen und sich dann einfach zu überlegen und frei auszuwӓhlen, was man anziehen mӧchte.

Deine Eltern sind beide im Showbusiness tätig. Wie hat dir das geholfen, dich selbst auf die Modeindustrie und das Showbusiness vorzubereiten und mit den Schattenseiten umzugehen?

Ich hatte immer einen großen Arbeitseifer. Mein Vater hat mir erlaubt einen eigenen Agent zu engagieren, damit ich meine eigene Karriere aufbauen kann. Dafür bin ich ihm sehr dankbar. Ich arbeite hart für meine Ziele und für alles, was ich im Leben erreichen mӧchte. Die Hingabe und die Begeisterung für den Beruf treiben mich an. Es gibt immer Hürden zu überwinden, positive und eben auch negative Erfahrungen. Das Gute ist, dass ich im Umfeld meiner Eltern in der Branche aufgewachsen bin und dabei viel gelernt habe. Ich habe davon profitiert, dass meine Eltern Fehler gemacht haben und ich gesehen habe, wie sie damit umgegangen sind. Mal gut, mal weniger gut. Ich habe mir davon mein eigenes Bild gemacht und Schlüsse für mein Leben gezogen. Es ist wichtig einen persönlichen Weg zu finden, die Hürden zu meistern um am Ende sein Ziel zu erreichen. Ich lasse daher nichts so schnell an mich heran und lebe mein Leben unbekümmerter. Meine Familie, meine Freunde und ich selbst kennen die Wahrheit über mich, was andere über mich denken oder schreiben, ist egal. Das ist alles was zӓhlt. Jemand der neu ins Geschӓft einsteigt hat es schwieriger. All die Schlagzeilen und Gerüchte machen ihnen zu schaffen, weil sie zuvor nie damit konfrontiert wurden.

Was war der beste Tipp, den dein Vater dir gegeben hat für die Karriere?

Er hat mir so viele Tipps gegeben und eigentlich hat er bis heute gar nicht damit aufgehӧrt mit Tipps zu geben. Meine Eltern haben mir immer gesagt, dass ich meinem Herzen folgen soll. Es wird nicht immer alles klappen, aber Papa sagt immer, man muss es wenigstens versuchen.

Ist Modeln nun dein Hauptberuf oder mӧchtest du eventuell auch weiter als Schauspielerin arbeiten und damit in die Fußstapfen des Vaters treten?

Ich schauspielere nebenbei schon etwas und bin damit auch relativ erfolgreich bisher. Ich lasse mich etwas treiben und mache das, was mein Leben mir vorgibt und wohin der Tag mich treibt. Ich bin dankbar dafür die Dinge machen zu kӧnnen, die ich liebe und dabei die Welt zu bereisen.

Würdest du auch selbst gerne Mode kreieren und Designerin werden?

Auf jeden Fall! Definititv! Ich liebe Mode seit dem ich ein Kind bin und ich würde sehr gerne eine Kollektion kreieren, für alle Grӧßen und Kӧrperformen. Von Grӧße 0 bis 26. Das ist etwas,was ich super gerne machen würde in der Zukunft. Eine 1960er-Jahre Dessous Kollektion wӓre das erste was ich kreieren würde, wenn ich die Mӧglichkeit bekomme. Denn Lingerie ist etwas, wobei man sich selbst hübsch macht für sich selbst oder jemand anderen. Das ist auf jeden Fall ein Projekt, das ich im Auge habe.

Gibt es einen Designer, mit dem du gerne zusammen arbeiten mӧchtest?

Diane von Fürstenberg ist meine Lieblingsdesignerin.

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