Los Angeles ist eine Stadt, die sich ständig neu erfindet. Das gilt sowohl für den Lifestyle der Angelenos als auch für ihre Food-Kultur. Wo dies besonders deutlich wird, ist im Grand Central Market in Downtown Los Angeles, der jüngst seinen 100. Geburtstag gefeiert hat. Die altehrwürdige Markthalle präsentiert sich immer wieder mit neuen ausgefallenen Food-Konzepten und lockt Stammkunden wie Neugierige in Scharen auf den größten und ältesten Food-Markt von L.A.

Deutsche Currywurst in L.A.

Manager David Scharschmidt von „Berlin Currywurst“. Photo: Dajana Pürsten

Auch die deutsche Küche ist auf dem Grand Central Market vertreten. Und zwar in Form von Currywurst. Ob klassisch oder in den Geschmacksrichtungen „Jalapeño-Cheese“ oder „Paprika“ – bei „Berlin Currywurst“ gibt es alles, was das Herz eines echten Wurst-Fans begehrt. Und natürlich ist alles organisch und frisch zubereitet. Manager David Scharschmidt weiß: „Wenn du in L.A. mit deinem Food-Konzept Erfolg haben willst, muss es entweder vegan oder organisch sein”. Und wie kommt „unsere“ deutsche Currywurst bei den Angelenos an? „Die sind total neugierig darauf und wollen wissen, was das ist. Es kamen auch schon einige Amerikaner nach ihrem Berlin-Urlaub zu uns und erzählten, dass unsere Currywurst noch besser schmecke als die in Deutschland”, freut sich der Manager.

Grand Central Market als kulinarisches Mekka

An gut besuchten Tagen gehen bei “Berlin Currywurst” rund 350 Würstchen über den Tresen, natürlich plus Pommes. Während es morgens auf dem Markt noch relativ ruhig zugeht, kommen mittags die Business-Leute von den umliegenden Banken zum Lunch. Abends kippt die Stimmung noch einmal in eine ganz andere Richtung, wie Scharschmidt verrät: “Dann kommen die ganzen jungen Leute aus Silverlake und Echo Park und es wird hipper und lauter”. Warum der Markt so eine Anziehungskraft auf die Menschen hat, liegt für den Deutschen Gastronom auf der Hand: “Die Vielfalt macht es. Hier auf dem Markt kommen die verschiedensten kulinarischen Erfahrungen zusammen: Ob Asiatisch, Mexikanisch, frisch zubereitete Pasta, Backware oder Süßigkeiten”.

Multi-Kulti auf dem Grand Central Market

Genau das gefällt auch der Studentin Adrianne: „Es gibt in L.A. so viele verschiedene Kulturen und genau das repräsentiert auch der Grand Central Market. Es ist von allem etwas dabei.” Für sie und ihre Freundin Lindsey ist es der erste Besuch in der imposanten Markthalle. “Ich bin enttäuscht, dass wir nicht schon früher hierher gekommen sind“, so Lindsey. Die beiden haben es sich am Tresen von „Madcapra“ gemütlich gemacht und warten auf ihre Falafel. Staunend schweifen ihre Blicke von Stand zu Stand. “Es sieht ein bisschen so aus wie in New York”, freut sich Lindsey und zeigt auf die vielen blinkenden Neonschilder der Verkäufer. „Ich habe hier das Gefühl selbst ein Teil des alten, traditionellen L.A.’s zu sein. Gleichzeitig gibt es so viele neue Trends zu entdecken”, ergänzt Adrianne. Nova, eine ältere Dame im Rollstuhl, kommt dagegen schon seit Jahren zum Grand Central Market: „Bei „Tacos Tumbras“ gibt es die besten Tacos auf der ganzen Welt”. Dafür nimmt sie nicht nur die Busfahrt aus Hollywood auf sich, sondern auch die schier endlos lange Schlange vor dem beliebten Mexikaner. Umso größer ist dann die Freude auf ihren Taco: „Ich kann es kaum erwarten, endlich hineinzubeißen!”

Eine bewegte Vergangenheit

Ein Obststand um 1917. Photo: Grand Central Market

Das Treiben auf dem Grand Central Market war nicht immer so dymanisch und bunt wie heute. Seit seiner Eröffnung am 27. Oktober 1917 hat sich der Markt stark gewandelt. Seine Geschichte ist geprägt von Rückschlägen, Flauten und dem mehrfachen Imagewechsel von L.A.’s Downtown. In den Anfangsjahren glich der Grand Central Market noch dem klassischen Bauernmarkt, wo die Menschen hingingen, um frisches Obst und Gemüse, Käse und Fleisch oder Backwaren zu kaufen. Zu diesem Zeitpunkt war Downtown ein Viertel, in dem vor allem wohlhabene Familien und Unternehmer wohnten. Dies änderte sich mit dem Zweiten Weltkrieg. Viele der Gutverdiener zog es plötzlich von der Innenstadt in kleinere Vororte, während Menschen mit niedrigerem Einkommen Downtown für sich entdeckten. Das einstige Szene-Viertel verlor mehr und mehr von seinem Glanz. Das bekamen auch die Verkäufer am Grand Central Market zu spüren. Lebensmittel und Gerichte mussten fortan zu günstigeren Preisen angeboten werden, um die neue Käuferschaft für sich zu gewinnen. Zu den Stammkunden zählten damals vor allem Hispano-Amerikaner. Zwar kamen nach wie vor auch Business-Leute zum Mittagessen in die Martkhalle, aber von dem einst pulsierenden Hotspot war nicht mehr viel übrig.

Der Grand Central Market als Trendsetter

Einen ersten Wandel gab es 1984, als der Visionär Ira Yellin zusammen mit anderen Investoren den Food-Markt kaufte. Er war der Meinung, dass eine dynamische Stadt auch ein lebhaftes Downtown braucht. Und dafür musste sich auch der Grand Central Market verändern. Von 2002 bis 2017 war seine Ehefrau Adele die Besitzerin des Food-Marktes und führte den Gedanken ihres Mannes fort. Aber der Grand Central Market blieb ein Sorgenkind. Wie Adele Yellin 2014 in einem Interview mit „LAweekly“ erklärte, mussten 2007 und 2008 fast 40 Prozent der ursprünglichen Händler ihre Stände schließen. Zu dieser Zeit war L.A.’s Downtown vor allem bei jüngeren Menschen beliebt. Für Yellin bedeutete das: Der Grand Central Market muss moderner werden. Und dieser Ansatz ist aufgegangen. Der große Wendepunkt kam mit Lokalen wie „Eggslut“ und „Sticky Rice“, die mit ihren hippen, neuartigen Food-Konzepten eine große Menge an neugierigen Food-Liebhabern anlockten.

100-jähriges Jubiläum

Der Kuchen zum Jubiläum! Photo: Dajana Pürsten

So wurde aus der historischen Markthalle wieder ein pulsierender Hotspot, der die verschiedenen Kulturen und Küchen von Los Angeles zusammenbringt. Und das wurde jetzt gebührend gefeiert. Mit Live-Musik und einem riesigen Geburtstagskuchen, bestehend aus 100 Schichten und mehr als 170 Kilogramm Butter, zelebrierte Adele Yellin zusammen mit zahlreichen Besuchern das 100-jährige Bestehen der historischen Institution. Sogar die historische Eisenbahn “Angel Flight”, die Bankers Hill mit dem Broadway von Downtown L.A. verbindet, hat extra für diesen Anlass wieder Fahrt aufgenommen. Parallel zum Jubiläum fand ein erneuter Besitzerwechsel statt: Zukünftig ist das Immobilienunternehmen „Langdon Street Capitol“ für die Erhaltung des Grand Central Markets verantwortlich. Große Veränderungen seien aber nicht geplant, so der Geschäftsführer Adam Daneshgar im Interview mit der „Los Angeles Times“.

Ein Muss für Food-Lover

neuH Redakteurin Dajana Pürsten lässt sich den Kuchen schmecken!

Der Grand Central Market ist heute ein Ort, wo Altes auf Neues trifft, Traditionen und Geschichte auf die neusten Food- und Lifestyle-Trends. Hier steht der traditionelle Obst- und Gemüsehändler neben der hippen Burgerbude oder dem angesagtesten Coffee-Shop. Allein die unterschiedlichen Gerüche, die in der Luft liegen, machen den Grand Central Market zu einer ganz besonderen Erfahrung und einem Muss für jeden Food-Lover und experimentierfreudigen Hobby-Koch.

www.grandcentralmarket.com

Photos by: Courtesy of Grand Central Market, Dajana Pürsten

 

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