Andrea Orbeck ist eine der meistgebuchten „Personal Trainer“ Hollywoods, auch Heidi Klum schwört auf ihre Methoden. Orbecks Motto lautet: „Ich will anderen helfen, so fit und gesund wie möglich zu leben.“ NeuH erklärt sie, wie es sich mit den Hollywood-Stars arbeitet und wie jeder im Alltag schon mit leichten Tricks etwas für die Top-Figur tun kann.

Welche Stars trainieren Sie im Augenblick?

Ich arbeite mit Heidi Klum, Kimora Lee Simmons, Kourtney Kardashian und Usher.

Es scheint, als hätte Heidi und viele andere Stars immer extrem viel Disziplin. Stimmt das?

Ja, aber man darf nicht vergessen, dass Stars dafür bezahlt werden gut auszusehen und fit zu sein. Es ist wie bei professionellen Athleten, die einen Vertrag haben in dem festgelegt ist wie fit sie sein müssen. Man muss als Prominenter eine gewisse Disziplin an den Tag legen und das Training ernst nehmen, sonst leidet am Ende womöglich die Karriere. Heidi trainiert sehr hart. Für sie ist das tägliche Training Teil ihres Jobs um auf dem Laufsteg oder vor der Kamera immer top auszusehen.

Hat Heidi ein Workout, dass ihr am meisten Spass macht?

Sie läuft sehr gerne, aber ich denke im Haus ihren Kindern hinterherzulaufen ist momentan ihre Lieblingsbeschäftigung (lacht). Sie hat ihr eigenes Laufprogramm, wenn sie in New York ist. Wie die meisten Frauen ist sie von Natur aus sehr motiviert ihre Muskeln im Po, den Beinen, am Bauch und an den Armen immer straff zu halten um so im Bikini toll auszusehen.

Was müssen Sie beachten, wenn sie mit Stars trainieren?

Dass ich in deren Leben meistens die einzige Person bin, wo sie das tun müssen, was man ihnen sagt. Ich bin kein Assistent oder Manager dem sie Anweisungen geben – es ist genau umgekehrt. Ich sage wo es lang geht und sie müssen mir vertrauen. Ich bin wahrscheinlich die einzige Person in ihrem Leben, die Druck machen kann und wo sie sich verletzlich zeigen können.

Hören sie von Stars auch manchmal ‘Das kann ich nicht!”?

Und ob! Ich treibe sie einfach an die eigenen Grenzen und sage: ‘Doch, du kannst.”

Haben Sie einen Star schon mal zum Weinen gebracht?

Ja, das kann schon mal vorkommen. Wenn ich zu viel Druck mache. Stars sind auch nur Menschen, die eine verletzliche oder schwache Seite haben. Ich fühle mich geehrt, dass sie mir gegenüber so grosses Vertrauen haben. Im Gegenzug gebe ich ihnen das Gefühl so sein zu können, wie sie wirklich sind.

Entwickeln sich denn aus so einer Nähe auch echte Freundschaften?

Ja, das kommt schon vor. Mein Job beginnt als Trainer, doch nach einiger Zeit und viel Vertrauen später entstehen dann langjährige Freundschaften. Es ist toll, wenn dir jemand so grosses Vertrauen entgegenbringen kann.

Viele Stars kommen gleich nach einer Schwangerschaft zu ihnen, um die Pfunde wieder los zu werden. Wie unterscheidet sich das Training dafür im Gegensatz zu normalen Workouts?

Nach einer Geburt muss man einige wichtige Dinge beachten wie die Menge an Schlaf, die man bekommt, Hormone und auch wann die beste Zeit für ein Training ist. Stillende Mütter sollen erst nach dem Stillen trainieren, da die Brüste danach leichter und kleiner sind. Wichtig ist auch, dass man rund 200 – 300 Kalorien extra einrechnen muss, die durch das Stillen verbrannt werden. Viele junge Mütter sind auch nach der Geburt sehr müde und haben dann nicht so viel Elan, da müssen 45 Minuten Training reichen. Man muss dem Körper Zeit geben die natürliche Fettverbrennung wieder anzukurbeln.

Was ist das Geheimnis, dass so viele Stars kurz nach der Geburt schon nach ganz kurzer Zeit wieder schlank sind?

Die meisten sind einfach schon vor der Geburt schlank und fit und nehmen während der Schwangerschaft nicht so viel Gewicht zu. Viele Stars nehmen eine Schwangerschaft nicht als Entschuldigung, um gleich mal 80 Pfund zuzunehmen, sondern eher nur 35 – 40 Pfund. Nach der Geburt haben sie dann nur etwa 15 Pfund, die sie wieder loshaben wollen und das geht dann einfach schneller.

Also empfehlen Sie einer werdenden Mutter auch schon während der Schwangerschaft viel zu trainieren?

Ja, denn je fitter man vor oder während der Schwangerschaft ist, desto leichter und schneller kann man später die Pfunde wieder verlieren. Eine gesunde und fettarme Ernährung hat zusätzlich auch viel Einfluss darauf. Unser Körper wird nicht so sehr von der genetischen Voraussetzung beeinflusst, es ist viel mehr unser Verhalten. Wer immer gesund isst und genug Bewegung bekommt, wir es niemals schwer haben ein paar überschüssige Pfunde schnell wieder los zu werden.

Als „Personal Trainer“ helfen Sie anderen fit zu werden. Welche Übungen machen Sie privat und zu welcher Tageszeit?

Wenn mein Klient Cardio auf dem Programm hat, wird Cardio gemacht. Wenn meine Kunden aus Malibu an der frischen Luft am Meer entlang laufen wollen, dann laufe ich mit. Und mit meinen Kunden in Santa Monica laufe ich gemeinsam die berühmten Santa Monica-Treppen hoch. Wenn ich für mich alleine trainiere, dann meistens am Nachmittag zwischen meinen Klienten-Meetings. Ich versuche fünf Mal pro Woche zu trainieren, meist eine Stunde lang, an einem stressigen Tag nur eine halbe Stunde. Es kommt auch immer darauf an, ob ich genug esse. Wenn ich viele Klienten an einem Tag habe, dann esse ich nicht ausreichend und wenig ausgeglichen, dann kann ich auch nicht voll trainieren.

Wenn Ihnen jemand sagt „Ich habe keine Zeit für ein Workout“, lassen Sie das gelten als Ausrede?

Das ist eine Frage der Priorität. Ich bin der Meinung, dass man seinen Körper wie Ersparnisse auf der Bank behandeln soll. Wenn man sich etwas nicht leisten kann, dann sollte man es nicht kaufen. Wenn man sparen will, dann muss man ein wenig zur Seite legen. Wenn dir dein Körper gleich viel bedeutet wie deine Ersparnisse, dann muss er es Wert sein, dass man Zeit und Energie dafür aufwendet. Man sollte sich fragen, ob man am Abend ausgehen will, sich eine Serie im Fernsehen angucken möchte oder vielleicht eine Stunde eher ins Bett geht, damit man am nächsten Morgen früher aufstehen kann um Zeit für ein Workout zu haben. Mein Tip ist: Mit einem Blick auf den Kalender kann man sich seine Zeit so einteilen, wie man sein Einkommen einteilt – je nach Priorität. Wir können immer Zeit finden, wenn wir nur wollen.

Stimmt es, das der Körper nur dann effektiv Kalorien verbrennen kann, wenn man mindestens 45 Minuten trainiert?

Ja. Der Körper braucht etwas Zeit, um sich aufzuwärmen und Fett zu verbrennen. Je intensiver das Training, umso mehr verbrennt man. Es geht nicht um die Dauer des Workouts – es geht um die Intensität. Man muss nicht täglich eine Stunde im Gym verbringen. Wer halb soviel Zeit ordentlich schwitzt, aber dafür das Workout intensiviert, erreicht das selbe Resultat.

Können Sie uns Tipps geben, was jeder schnell mal unter Tags machen kann?

Treppen steigen! Die finden sich überall im Alltag. Man kann in der Mittagspause die Turnschuhe anziehen und im Treppenhaus schnell mal 15 Minuten lang die Treppen auf und ab laufen. Am Ende jedes Treppensatzes macht man eine Kniebeuge. Fertig! Dieses kurze Workout macht schon mal einen Unterschied und man spürt es in den Beinen. Man kann auch mit einem oder beiden Beinen jede Stufe einzeln hinauf hüpfen. Das sind alles kurze aber effektive Workouts, die jeder zwischendurch machen kann. Für ein bisschen mehr Intensität kann man etwa Seilspringen. Fünf Minuten plus ein paar Kniebeugen – damit hat man schon mal ein effektives Training in der Mittagspause in weniger als 20 Minuten. Das ist viel besser als einfach nur herumsitzen.

Empfehlen Sie Frauen Gewichtetraining ?

Klar! Das ist nicht nur für den Knochenbau, sondern auch für die Verdauung extrem wichtig. Je mehr Muskelmasse man hat, umso mehr Kalorien werden verbrannt und die Muskeln bleiben erhalten. Der Körper benötigt Eiweiss um Muskeln aufzubauen – auch den Herzmuskel. Kohlenhydrate machen keinen Muskel grösser, die helfen nur Fett im Körper zu speichern.

Aber Frauen wollen ja nicht unbedingt wie Bodybuilder aussehen…

Keine Angst. Viele Frauen denken, dass sie durch Gewichtstraining zu einem Muskelpaket werden. Fakt ist aber, dass Frauen kein Testosteron haben und daher nicht so schnell Muskeln wie Männer bekommen. Mit einem Bodybuilder darf man sich nicht vergleichen – für die ist es ein Vollzeit-Job sich Muskeln anzutrainieren. Bodybuilder trainieren mehrmals täglich und nehmen dazu noch eine Menge an Nahrungsergänzung und manchmal auch Steroide um noch mehr Muskelmasse zu bekommen.

Was ist denn bei der Ernährung am Wichtigsten?

Ganz einfach – es gibt vier wichtige Dinge: Fettarm, Bio, Protein und Grün. Mit fettarm meine ich fettarmes Fleisch. Es gibt aber auch wichtige Fette, die dem Körper gut tun, wie Kokosöl oder Omega3-Fischöl. Bio heisst, Nahrung ohne Zusatzstoffe und wenn möglich so natürlich wie möglich essen. Extrem wichtig ist Eiweiss – alles was sich in Aminosäuren spaltet. Vegetarier müssen aufpassen, dass sie genug Proteine zu sich nehmen. Und Grün bedeutet ballaststoffreiche Kost. Ballaststoffe findet man in allem was Grün ist – von Spinat bis Salat oder Gemüse.

Kleine Kaloriensünden nicht gar nicht erlaubt?

Wenn man zu 80% darauf achtet, dass man die Regeln einhält, reicht das.

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