Der Held unserer Jugend

Sie nennen ihn „The Birdman“. Skaterlegende  Tony Hawk.  Er ist der Held  unserer Jugend.  Seine Tricks haben mich als Teenie auf die Halfpipe gezogen, mir unzählige Male blutige Knie eingebracht. Freunde von mir zocken immer noch begeistert die ersten Video Games von „Tony Hawk’s Skater Pro“. Und heute treffe ich ihn persönlich, Tony Hawk. Live. Und das nicht allein, sondern zusammen mit Musiker Ben Harper.

Skater-Style

Er ist groß, fast ein bisschen schlaksig. In seinem braungebranntem, schmalen Gesicht  erkenne ich viele Lachfalten. Die Haare im typischen, leicht verwuscheltem Skaterstyle. Ich raste aus. Der hat was. Auch mit 47 Jahren.  Gemeinsam mit Ben Harper präsentiert er eine ganz besondere Skateboard-Kollektion. Vor Monaten hatte Tony von seinen Profi-Kollegen die besten Bretter eingefordert.  Doch er wollte nicht nur die Boards, sondern auch noch die  Lieblings-Skater-Songs seiner Freunde!

Boards and Bands

Was Tony damit wollte? Ich stehe vor dem Resultat: Ein abgerocktes, teils noch mit goldener Farbe beschichtetes Skateboard. Es ist von „Paul Rodriguez“. Mit einem Eding steht fett „Where I’m From“ darauf. OMG. Ich weiss ganz genau von wem: JAY Z!!!!! Das ist vielleicht ein bisschen peinlich  – aber ich streiche andächtig über das Board. Hmm, auf dem würde ich mich bestimmt noch einmal in einen Skaterpark trauen.  Jedes der Bretter ist mit verschiedenen Lyrics verziert. Denn Tony hat die Bretter seiner Kollegen an die unterschiedlichsten Musiker geschickt. Mit einer kleinen Bitte: Songtexte – oder Refrains auf das jeweilige Board zu schreiben. Ich kann mich nur schwer von Jay-Zs Brett trennen, aber  ich muss mir unbedingt noch die Skateboard-Songtexte von U2, Metallica und Elton John anschauen . . .

Der schwerste Trick der Welt

„Gut oder? „, grinst Tony. „Ihr könnt sie alle haben – nur, ihr müsst sie ersteigern!“ Der komplette Erlös fließt in die Tony Hawk Stiftung. Seit Jahren engagiert sich Tony für Jugendliche. In sozialschwachen Regionen baut er Skaterparks, um die Jugendlichen von der Straße zu holen. Sport statt Drogen, Skaten statt Dealen, Fliegen statt Prügeln.  Hätte ich jetzt das nötige Kleingeld würde ich mitbieten. Um die 100.000 Dollar soll ein Brett mindestens einbringen.  In seiner Kindheit hatte Tony Hawk selbst psychische Probleme. Ein Junge mit  großem Aggressionspotential.  Das änderte sich, als sein Vater ihm  sein erstes Skateboard schenkte. Kurz darauf in 1982, gerade erst 14 Jahre alt geworden, war Tony Hawk schon Profi. Mit 16 Jahren ist er der weltweit beste Skater. Mit 17 kaufte er sein erstes Haus, zwei Jahre später ein ganzes Anwesen. Tony Hawk wurde elfmal nacheinander Weltmeister. Er gewann in dieser Zeit 73 von 103 Wettbewerben und er kreierte 85 neue Skateboard-Tricks die sind bis heute Kult sind: Stalefish, den Airwalk, den Madonna, den Gymnast Plant, den Hurricane oder den 900°, der lange als schwerster Trick der Welt galt.

Backflash

Jeder kann es schaffen. Tony will besonders gefährdeten Teenagern eine Perspektive bieten. Einen friedlichen Raum, etwas wo Alkohol, Drogen oder Hass keinen Platz haben. Denn wer sich selbst als Sportler oder Athlet sieht, der will nicht Trinken, der lehnt Drogen ab und liebt den gesunden Lifestyle. Dafür kämpft Tony mit seiner Organisation. Skaten für den guten Zweck. Ich kann in die Auktion wohl nicht so hoch mit einsteigen –  doch den Skater-Backflash lässt mich den ganzen Tag nicht los. Auch nicht am Feierabend. Ich laufe durch Venice-Beach und kann einfach nicht anders. An einer dieser furchtbaren Touristen-Abzocke-Buden kaufe ich mir ein Mini-Board. 40 Dollar inklusive Leo-Print. Hallo? Wer kann da schon widerstehen. Außerdem wurde das Skateboarding genau hier erfunden! Vorsichtig stelle ich mich aufs Brett. Barfuß. Die High-Heels in der Hand. Nach ein paar Versuchen bin ich schon wieder drin. Ich merke gar nicht wie die Zeit vergeht. Plötzlich ist es fast dunkel. Ich setze mich in den Sand. Meine Knie sind diesmal heil geblieben, aber auf meiner braunen Haut zeichnen sich in jedem Sommer diese feinen hellen Linien ab. Meine Halfepipe-Erinnerungen  – Danke Tony.

 

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