Die weltweit größte Sammlung von Andenken und Artefakten aus der DDR und dem Ostblock lagert im Wende Museum in Culver City, Los Angeles – fast 10.000 Kilometer von der ehemaligen DDR entfernt. Mit dem Umzug in das historische Armory Building, einem ehemaligen US-Waffenlager, findet das Museum nun ein neues Zuhause. Noch dazu ein sehr Poetisches.

Das „Wende Museum“: Mit viel Liebe zum Detail

Nirgendwo sonst kann man so tief eintauchen in die deutsche Geschichte und die Zeit des Kalten Krieges wie im 2002 in L.A. gegründeten Wende Museum. Zu verdanken ist diese beeindruckende Kollektion dem Kalifornier Justinian Jampol. Kaum einer sammelt die Reste des Sozialismus so akribisch wie er.

Ein Stück der Berliner Mauer. Photo: Dajana Pürsten.

Seit 2000 hat der Doktor der Europäischen Geschichte mehr als 100.000 Alltagsgegenstände aus dem Osten und der Zeit des Kalten Krieges zusammengetragen. Darunter Lenin-Büsten, Speisekarten aus dem Palast der Republik, Staatsgeschenke von Honecker an die Familie Assad oder Gegenstände aus Honeckers eigenem Besitz. Selbst ein bunt bemaltes Stück der Berliner Mauer ist im Wende Museum zu finden. Für Justinian Jampol selbst sind es aber vor allem die Alltagsgegenstände der Menschen, die die Ausstellung besonders machen: “Ich bin zwar Historiker, aber sehr schlecht darin, mir Namen, Daten und Orte zu merken. Aber ich interessiere mich für Menschen. Daher freue ich mich immer sehr über Fotoalben und Sammelhefte. Denn sie enthalten die wahren Geschichten der Menschen. Und wenn wir uns diese Geschichten näher anschauen, lernen wir auch etwas über uns selbst.”

Deutsche Geschichte im US-Waffenlager

Doch bislang konnten nicht einmal annähernd alle Ausstellungsstücke aus Jampols Sammlung für die Öffentlichkeit bereitgestellt werden. Zu klein war die bisherige Location. Also brauchte es ein neues Zuhause für das Wende Museum. Und das fand der Geschichtsliebhaber nun im historischen Armory Building in Culver City, Los Angeles – einem ehemaligen US-Waffenlager aus der Zeit des Kalten Krieges. Eine poetischere Location hätte Justinian Jampol nicht finden können. Die Ironie dahinter ist ihm wohl bewusst: “Ich bin sehr dankbar dafür, dass wir unser neues Zuhause ausgerechnet in einem ehemaligen Waffenlager gefunden haben. Es erinnert uns daran, dass wir nicht immer nur auf andere schauen sollten, sondern mehr auf uns selbst und unsere eigene Vergangenheit. Es geht uns mit der Ausstellung auch darum, die Amerikaner etwas selbstreflexiver zu machen, was die Zeit des Kalten Krieges angeht. Das Haus ist der perfekte Ort dafür“. Und in der frisch renovierten Halle können die Besucher nun zukünftig die gesamte Kollektion bestaunen.

Das neu renovierte Armory Building. Photo: Dajana Pürsten.

Warum ausgerechnet Los Angeles?

Aber wie kommt jemand darauf, ein Museum voll mit dunkler deutscher und osteuropäischer Geschichte im sonnigen Los Angeles zu eröffnen? Das ist die häufigste Frage, die Studenten und Schüler an Kurator Joes Segal stellen. Der gebürtige Niederländer hat darauf zwei Antworten: „Die pragmatischere Antwort ist: Justinian Jampol, der Besitzer des ‘Wende Museums’, ist nun einmal in Los Angeles geboren”. Aber hinter der Wahl der Location steckt noch etwas anderes, wie Segal verrät: “Auf der einen Seite war Los Angeles das Zentrum für die Flugzeugindustrie in der Ära des Kalten Krieges. Auf der anderen Seite spielt aber auch Hollywood eine wichtige Rolle. Die Unterhaltungsindustrie trägt maßgeblich dazu bei, wie die Menschen über den Kalten Kriege und die ‘Feinde’ denken. Daher ist es großartig, dass wir mit dem ‘Wende Museum’ einen Gegenpol zu diesem Gedankengut schaffen und quasi die andere Seite der Geschichte zeigen können”.

Der Kalte Krieg wird wieder realer

Erst Recht in Zeiten wie diesen, in denen der Kalte Krieg zwischen den USA und Russland eine Neuauflage erleben könnte, ist es Jampols Intention das kulturelle und geschichtliche Vermächtnis des Kalten Krieges und der Ostblockstaaten zu schützen und ein Verständnis für diese Zeit zu schaffen. „Du musst nur die Zeitungen aufschlagen und du liest von Russland und von Nordkorea. Du liest aber auch von Überwachung, Spionage und Mauern. Seien es Mauern zwischen Arm und Reich oder die Mauer zu Mexiko. Der Kalte Krieg wird heute immer realer. Das macht unsere Ausstellung so zeitgemäß”, erklärt der Kalifornier. Aus diesem Anlass trägt die Eröffnungsausstellung auch den Namen „Cold War Spaces“. Mit dem „Wende Museum“ wollen Jampol und sein Team Raum zum Denken und Transparenz schaffen. Dinge, die im Kalten Krieg und in der DDR fehlten. Auch ein Grund, warum das „Wende Museum“ auf Eintrittsgelder verzichtet. Es ist Justinian Jampol wichtig, dass jeder gleichermaßen die Möglichkeit hat, sich sowohl mit der Vergangenheit als auch der eigenen Rolle in der heutigen Zeit auseinanderzusetzen.

„Museum of Ice Cream“

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