Cesar Millan ist der wohl bekannteste Hundetrainer der Welt

Wenn die Hollywood-Stars rufen, ist er zur Stelle: Cesar Millan, der sicher bekannteste Hundetrainer der Welt. Aber auch der wohl umstrittenste.

Doch der Reihe nach: Wer ist dieser Millan überhaupt? 1969 im mexikanischen Culiacán geboren, wandert er mit 21 – ohne jegliche Verbindungen und ohne der englischen Sprache mächtig zu sein – illegal in die USA ein. Dort ist er zunächst obdachlos, schläft unter Brücken und ernährt sich von Hot Dogs. Nach und nach fasst er in den Staaten Fuß, jobbt als Hundefrisör, Hundepfleger und Tierarzthelfer. Und hat ein klares Ziel vor Augen: Der beste Hundetrainer der Welt zu werden!

Dank Jada Pinkett-Smith kam Millan zu Ruhm

Zwei Jahre später bekommt er seinen ersten Auftrag: Er soll einem Cockerspaniel Manieren beibringen. Die Besitzerin des Hundes ist von Millans Arbeit begeistert – sie heißt Jada Pinkett, Frau von Schauspieler Will Smith. Mit ihrer Hilfe baut er zwei spezielle Einrichtungen für Hunde – die „Pacific Point Canine Academy“ und das „Dog Psychology Center“. Und fortan öffnen sich für Millan sämtliche Türen zu den Promi-Villen Hollywoods. Ob Charlize Theron, Nicolas Cage, Eva Mendes, Oprah Winfrey, Jennifer Aniston oder Scarlett Johansson – wenn Hollywood-Stars ein Problem mit ihrem vierbeinigen Freund haben, rufen sie nach Cesar Millan. Aber nicht nur die Promis! Der kleine Mexikaner hat inzwischen Millionen (!) begeisterter Fans. Für sie ist er ein Idol, schlichtweg „Der Hundeflüsterer“, wie auch seine TV-Reality-Sendung heißt, die 2004 erstmals produziert wurde und heute in mehr als 80 Ländern (in Deutschland auf Nat Geo Wild und Sixx) zu sehen ist.

Millans Methoden polarisieren

Allerdings: Millan polarisiert – und das weltweit! Tierschutzorganisationen wie PETA, Hundetrainer und -halter kritisieren ihn heftig und bezeichnen seine Methoden oftmals als Tierquälerei, weil er Hunde psychischer und körperlicher Gewalt aussetze. Es wurden Initiativen gegen ihn gegründet und 2014 über soziale Netzwerke sogar das böse Gerücht verbreitet, dass Millan an einem Herzinfarkt gestorben sei. Als er im vergangenen Jahr mit einem Bühnenprogramm auf Europa-Tour ging, gab es im Vorfeld heftige Proteste. So wollte beispielsweise der Schweizer Tierschutz seinen Auftritt in Zürich verhindern, was jedoch misslang. In Deutschland musste er sich einer Sachkundeprüfung für Hundetrainer unterziehen – und fiel prompt durch (angeblich gab es Probleme bei der Übersetzung), was zur Folge hatte, dass ihm während der Shows „Aufpasser“ zur Seite gestellt wurden, die auf die Einhaltung des Tierschutzgesetzes achten sollten. Quasi mit Maulkorb agierend waren die Shows dann auch recht enttäuschend. Auf der Bühne zeigte er beispielsweise den Besitzern verhaltensauffälliger Hunde, wie sie diese mit ruhigen und bestimmten Gesten führen können. Es war aber unschwer zu erkennen, dass Millan sein Programm mit stark angezogener Handbremse absolvierte.

Hundehalter müssen Rudelführer werden

Millan selbst hält die Vorwürfe gegen ihn für nicht gerechtfertigt. Er sagt: „Kommunikation beginnt mit gegenseitigem Verständnis. Ich rehabilitiere Hunde und trainiere Menschen.“ Er zeige den Haltern, wie sie für ihren Hund zum „Rudelführer“ werden. „Hunde benötigen drei Dinge und zwar in folgender Reihenfolge: Bewegung, Disziplin und Zuneigung“, erklärt der 46-Jährige, der unzählige verhaltensauffällige und aggressive Hunde bereits resozialisiert und damit vor dem sicheren Tod gerettet haben soll.

Die deutsche Hundetrainerin Kirstin Müller verteidigt Millan

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Kirstin Müller beim Hunde-Training

neuH wollte es genauer wissen und fragte nach. Die ausgebildete Hundetrainerin Kirstin Müller, die seit vielen Jahren erfolgreich in Wegberg am Niederrhein eine mobile Hundeschule betreibt, hält die Aufregung um den „Hundeflüsterer“ für maßlos übertrieben: „Cesar Millan verfügt ohne Zweifel über ausgezeichnete Fähigkeiten im Umgang mit schwierigen und aggressiven Hunden“, erklärt sie . „Es ist leider so: Wer erfolgreich ist, hat auch Neider.“ Dass Millan derart polarisiere hat für die Hundeexpertin insbesondere einen Grund: „Beim Thema Hundeerziehung kann man grob in zwei Lager unterteilen: Auf der einen Seite gibt es die Trainer, die autoritär oder autoritativ arbeiten und sich – wie eben Cesar Millan – nicht scheuen, einen Hund bei Fehlverhalten auch mal körperlich zu korrigieren, während auf der anderen Seite die oftmals zitierten ‚Wattebauschwerfer’ glauben, Hunde ausschließlich mit konditionierten Tauschgeschäften, also mit Leckerlis, erziehen zu können.“ Diskussionen zwischen diesen beiden Lagern sind laut Müller oftmals wenig sachlich, weshalb es nicht verwundere, dass die Reaktionen bezüglich Millan teilweise recht heftig ausfielen.

Millan ist Ende des Jahres auf Deutschland-Tournee

Der Erfolg gibt ihm also recht? „Kann man so sagen“, erklärt Kirstin Müller, die allerdings kritisch anmerkt, „dass es aus der Ferne betrachtet in einigen Fällen, in denen Millan recht drastisch vorgegangen ist, sicher auch humanere Alternativen gegeben hätte.“ Hinzu kommt laut Müller: Obwohl in Millans Sendungen stets davor gewarnt wird, seine Techniken nicht ohne Anleitung eines Fachmannes anzuwenden, gibt es zahlreiche Nachahmer, die sich eben genau daran nicht halten, was für Hund und Halter gefährliche Folgen haben kann.

Millan, der übrigens im März 2009 offiziell US-amerikanischer Staatsbürger wurde und heute zusammen mit seiner dominikanischen Lebensgefährtin Jahira Dar und seinem jüngsten Sohn aus erster Ehe in Santa Clarita (Kalifornien) lebt, kommt dieses Jahr wieder auf Deutschland-Tour.

Die Termine: 6.12. Frankfurt, 7.12. Nürnberg, 8.12. Leipzig, 9.12. Braunschweig, 10.12. Bremen, 12.12. Düsseldorf, 13.12. Dortmund, 15.12. München, 16.12. Stuttgart.

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