In Deutschland ist die Medienpräsenz des  Fitness-Kochs Attila Hildmann bereits enorm. Ganze sieben Kochbücher brachte er heraus. Alle beschäftigen sich mit der  veganen Kochkunst. „Vegan for Fun“ wurde 2012 vom Vegetarierbund Deutschland als Kochbuch des Jahres ausgezeichnet. Gerne würde Hildmann seine vegane Küche auch in Los Angeles populär machen und zugleich Arnold Schwarzenegger nacheifern. neuH war neugierig und fragte nach:

Du bist gerne in Los Angeles. Was gefällt dir so gut am Lifestyle hier?

Ich bin schon oft durch Amerika getourt und war in vielen verschiedenen Staaten, um Koch-Sessions zu machen. Was mir hier besonders gefällt, ist ganz einfach: Sonne, Strand, Meer und gleichzeitig das Historische. Wie zum Beispiel hier am Muscle Beach, wo Arnold Schwarzenegger anfing seine Karriere aufzubauen. Und das ist wirklich sehr inspirierend. Ich bin ja auch sehr fitnessorientiert. Und ich glaube, dass dieser Lifestyle hier sehr entspannt und locker ist, aber gleichzeitig hast du das gesunde Essen und Yoga und hier sind die Leute einfach sehr offen – auch für mein Thema.

Stimmt oder stimmt nicht: Die Amis essen hauptsächlich  Burger?

Das ist schwierig. Zum Glück gibt es hier Märkte wie Whole Foods – eine Bio-Supermarkt-Kette. Die haben frische Gerichte zum mitnehmen, wie eine Art Restaurant. Als ich hier meine Tour machte, bin ich immer mal wieder zu Whole Foods gegangen, um dort zu essen, wenn es gerade kein veganes Restaurant in der Nähe gab. Also man kann sich sehr gut vegan ernähren, besonders hier in Los Angeles. Es gibt Saft Bars und einige gute vegane Optionen. Alles eine Willensfrage. Gleichzeitig kannst du dich hier aber auch richtig grottig ernähren, weil auch Junk-Food dominiert.

Bist du schon bekannt in Amerika?

Ich bin hier noch  ein „Nobody“. Den Amis ist es egal, ob du bereits eine Million Kochbücher verkauft hast, oder nicht. Du fängst hier einfach von vorne an. Und das ist für mich die Herausforderung und deswegen komme ich auch nach LA.. Ich will nichts geschenkt haben, sondern die Sache selbst aufbauen und dann selber den Erfolg genießen. Das hat ja auch in Deutschland lange, fast zehn Jahre gedauert, bis mein Thema präsent war und bis ich ins Fernsehen eingeladen wurde. Für mich ist die Herausforderung hier auch ein wenig geduldig zu werden. So über Nacht passiert das hier nicht, selbst wenn du es drüben bereits geschafft hast. Und die Deutschen, die es hier geschafft haben, die kann man wirklich an einer Hand abzählen. Ich bin zuversichtlich, aber der Weg ist steinig.

Welche Nahrungsergänzungsmittel sollte ein Veganer zu sich nehmen?

Vitamin-Präperate gab es schon bevor es einen veganen Trend gab. Das heißt, das ist das, was der Durchschnittsdeutsche oder der Amerikaner zusätzlich zu seiner Ernährung zu sich nimmt, um die, ich sag mal, etwas unterdurchschnittliche Ernährung auszugleichen. Der Veganer ist besser geschützt vor Zivilisationskrankheiten, muss aber auf ein paar Stoffe achten, wie zum Beispiel Vitamin B12, Vitamin D im Winter. Das empfiehlt man aber auch den ganz normalen Bürgern und mir ist wichtig, das Optimum zu finden. Das heißt, ich habe eine sehr pflanzenbetonte Ernährung und dann nehme ich eben ein paar kritische Stoffe. Es geht nicht darum, dass man die natürlichste Ernährung hat, sondern, dass man optimal versorgt wird. Man kann Vitaminpräparate nehmen, gerade um als Veganer komplett abgesichert zu sein. Ich habe früher auch Multivitamintabletten genommen, als ich noch Fleischesser war, auch als Sportler. Das macht für mich zu isotonischen Getränken oder Eiweißriegeln gar keinen Unterschied.

 Tofu und Soja sind oftmals auch umstritten?

Da steckt einfach eine große Lobby dahinter, die ein Problem damit hat, dass es mittlerweile auch pflanzliche Milchalternativen gibt, die dominant sind in den Märkten. Oder, dass Menschen nach cholesterinfreien Eiweißvarianten suchen, wie zum Beispiel Tofu und dann kommen solche Sachen halt zu Stande, dass man eben auf veraltete Studien zurückgreift und damit argumentiert, dass Sojaprodukte total schlecht wären. Ich esse jetzt seit 14 Jahren Sojaprodukte und mir wachsen weder Brüste, noch verliere ich meine Männlichkeit. Das sind einfach Mythen. In Japan beispielsweise ist es weit verbreitet, dass man viel Tofu isst und die Japaner können sich schließlich auch weiter fortpflanzen, insofern stellt das für sie gar kein Problem dar, sondern es ist eine gesunde Alternative. Man sollte nicht jeden Tag Tofu essen, aber man sollte sicherlich auch nicht jeden Tag Fleisch essen. Ich halte es für eine gesunde Alternative und ich brauche mein Tofu!

Wie kommt es, dass Arnold Schwarzenegger dein großes Vorbild ist?

Ich bin mit den ganzen Filmen von ihm aufgewachsen. Mein Lieblingsfilm ist nach wie vor „Total Recall“ aus den Neunzigern. Aber auch alle anderen. Ich bin damit groß geworden. Du hast dem Held zugeschaut, wie er die bösen Jungs weggehauen hat und das inspirierte mich. Dann fing es in der Jugend mit dem Fitnesstraining an und da kommst du an Arnold nicht vorbei. Demnach war er immer eine große Inspiration, weil er einen Traum hatte und zwar Bodybuilding in den Mainstream zu bringen. Er setzte sich immer neue Ziele, wie zum Beispiel als Bodybuilder zum Filmschauspieler zu werden. Und ich sehe vor allem eine Parallele: Ich habe es geschafft, in Deutschland Vegan als Nischenthema in den Mainstream zu bringen und habe mehr Bücher verkauft als beispielsweise Jamie Olliver und Dinge getan, die nicht für möglich gehalten wurden. Und ich versuche das hier in Amerika genauso. Ich will Vegan zu einer „Multibillion-Dollar“ Industrie machen und dann habe ich auch Filmschauspieler-Ambitionen und möchte in Arnies Fußstapfen treten, was Action-Filme betrifft.

Was sind deine Karriere Tipps?

Es geht vor allem darum, denn richtigen „Mind Set“ zu haben. Es gibt so viele Nein-Sager, die mir gesagt haben, du wirst niemals Erfolg haben in Deutschland, Vegan ist ein Nischenthema, geh gar nicht erst nach Amerika, hör einfach damit auf. Und die haben wir in unserem täglichen Leben überall. Ich denke, dass es wichtig ist, nicht auf diese Nein-Sager zu hören und seinen eigenen Weg zu finden und dass man auch einfach nicht die Erwartung haben sollte, dass es schnell geht. Ich habe im Jahr 2000 die Entscheidung getroffen, mich so zu ernähren und habe das zehn Jahre lang für mich gemacht. 2009 kam dann mein erstes Kochbuch und das habe ich damals auch selber verlegt, selber die Bilder geschossen, alles selber gemacht. Das war mein Traum. Ich wollte mich so ernähren und wollte den Leuten dann irgendwann auch zeigen, wie es funktioniert. Man sollte niemals diesen Spruch vergessen „Es braucht zehn Jahre für einen Erfolg über Nacht“. Ich glaube, in Amerika wird es für mich nun ein wenig schneller gehen, aber in Deutschland hat es 10 Jahre gedauert.

Nochmal zurück zur Ernährung: Was ist die „Triät“?

Das ist das Konzept meines Buches „Vegan for Youth“, dass sich nicht an die Jugend richtet, sondern es geht darum, ob es möglich ist, sich mit einer antioxidationreichen veganen Ernährung zu verjüngen und zwar messbar. Es basiert auf drei Säulen: erstmal baust du Übergewicht ab, wirst also schlanker. Außerdem haben wir gemessen, dass man zelluläre Effekte hat und somit jünger wird durch eine pflanzenbetonte Ernährung in Kombination mit Meditation und einem ausgewogenem Sportprogramm. Und drittens ist man gesünder, da man tolles und gutes Essen isst. Man hat bei mir einen biologischen Alterstest gemacht und ich bin auf dem Papier zwar mittlerweile 33, aber biologisch bin ich erst 26. Und ich glaube, dass es durch den gesunden Lebensstil kommt und, dass ich gut schlafe, dass ich meditiere und dass ich auch vor allem Lebensmittel esse, die auf dieser bestimmten Liste stehen, nämlich der Antioxidantienliste.

Sollten wir drei mal oder fünf mal am Tag essen?

Ich bevorzuge es, größere Mahlzeiten zu essen und dann nicht so oft am Tag. Also keine Zwischenmahlzeiten. Wenn man 2-3 mal am Tag gute Portionen isst, braucht man einfach keine Zwischenmahlzeiten! Ich denke, der Körper verdaut sonst den ganzen Tag und das belastet einen Organismus. Ich denke, dass der Körper auch einfach mal Ruhephasen braucht, in denen er nicht verdaut. Das heißt, ich halte mich an die Regel, dass ich abends nach 19 Uhr nichts mehr esse und stelle fest, dass ich morgens, nach dem Aufstehen kein Völlegefühl habe. Ich habe kein Sodbrennen und das Gefühl, dass mein Körper sich regeneriert hat.

 

Unser Video mit Attila und das Rezept für den leckeren „Venice Skater“ Toast findet ihr hier: http://neuh.com/attila-hildmann/.

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